Rezension

Bret Easton Ellis – Unter Null

Partys, Drogen, Sex und MTV – damit lässt sich die Handlung in Bret Easton Ellis Debütroman »Unter Null« stichwortartig zusammenfassen. Schließlich setzen sich daraus die Weihnachtsferien der Hauptfigur und des Erzählers Clay zusammen. Über die Festtage besucht der Student seine Familie in Los Angeles und kommt in Kontakt mit alten Freunden und Bekannten.

Braun gebrannt, blondes Haar, gut aussehend und reiche Eltern. So sehen die Figuren in Clays Umfeld aus. Verwöhnt, gelangweilt, abgestumpft. Schon zu Beginn des Romans, als Clays Ex-Freundin Blair ihn vom Flughafen abholt, fällt dieser eine Satz: »People are afraid to merge on the Freeway«. Er soll Clay durch die ganzen Ferien begleiten. Denn auch er bekommt Probleme mit dem Einfädeln, dem Wiedereingliedern in sein altes Leben.

Gleichgültigkeit und Eintönigkeit

Nüchtern und gleichgültig werden die allabendlichen Partys und der allgegenwärtige Drogenrausch beschrieben. Ein alter Freund prostituiert sich, um seinen Schulden und seiner Sucht gerecht zu werden, andere brechen regelmäßig aufgrund von Überdosen zusammen. Innere Leere und Emotionslosigkeit zeichnet die Jugendlichen aus.

Als auf einer Party ein Gewaltvideo gezeigt wird, in dem in aller Ruhe ein Mädchen und ein Junge getötet werden, sind es nur Clay und Blair, die flüchten und emotional aufgewühlt sind. Für die anderen ist es nur ein kleiner Kick, ein kurzer Ausbruch aus der Eintönigkeit des eh schon reizüberfluteten Alltags.

Warm und kalt

Clay steckt zwar mitten in den Geschehnissen, lässt sich von seinen Freunden mitreißen, ist jedoch mehr Beobachter als Akteur. Sein ganzes ehemaliges Umfeld hat sich entfremdet, gehört nicht mehr zu ihm – und eine emotionale Wiedereingliederung ist nicht mehr möglich. Von seinen Freunden unterscheidet Clay letztendlich nur das Wissen um die innere Leere und der Wunsch, dem Ganzen zu entfliehen.

Die Gleichgültigkeit der Handelnden spiegelt sich in der nüchternen und klaren Sprache wider. Einfache, aneinandergereihte Hauptsätze und Wiederholungen sorgen für die kalte Atmosphäre im sonnigen Kalifornien. Das ist es auch, was bleibt: Das verzerrte Bild vom schönen, warmen L.A. mit seiner kalten, emotionslosen jungen Gesellschaft.

Die Rezension bezieht sich auf die englischsprachige Originalausgabe »Less than zero«.

Datum: 14. September 2010

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