Rezension

Jerome David Salinger – Der Fänger im Roggen

Auf den rund 220 Seiten steht 255 Mal das Wort »goddam«, 44 Mal »fuck«. Auch deswegen wurde der Roman nach seiner Veröffentlichung in zahlreichen Ländern verboten. Heute gehen immer noch rund 250.000 Exemplare über die Buchladentheke – jährlich. Die Rede ist von J. Ⅾ. Salingers »Fänger im Roggen«.

Holden Caulfield heißt der Protagonist und Ich-Erzähler des Romans. Kurz vor den Weihnachtsferien fliegt er vom Internat Pencey Prep – aufgrund mangelhafter Leistungen. Es ist nicht die erste Schule, die er vorzeitig verlassen muss, auch an den vorangehenden ist er gescheitert. Aus Angst vor den Reaktionen seiner Eltern tingelt er drei Tage durch New York.

Auf der Suche nach Zukunftsperspektiven

Holden mangelt es nicht an Intelligenz, vielmehr fehlt ihm die Identifikation mit der Gesellschaft und den anderen Schülern. Ihn stört das ganze Gehabe und Getue seiner Mitmenschen, er findet an ihnen nichts Ehrliches. Alle Beschäftigungen und Ziele, denen andere nacheifern, sprechen Holden nicht zu. Er grenzt sich ab, zieht seine rote Jagdmütze grundsätzlich falsch herum auf. Weder den aufs Äußere bedachten Zimmerkollegen Stradlater noch den nervigen Zimmernachbarn Ackley könnte man zu Holdens Freunden zählen. Und doch verbringt er die meiste Zeit mit ihnen.

Positive Worte findet Holden eigentlich nur für seinen früh an Leukämie gestorbenen jüngeren Bruder Allie und seine 10-jährige Schwester Phoebe. Und für zwei Nonnen, denen er zufällig beim Frühstück begegnet. An ihnen ist nichts Verlogenes. Und doch scheint ihn das nicht genug zu motivieren: Auf der Suche nach Zukunftsperspektiven landet er in schäbigen Hotels, kommt er unter anderem in Kontakt mit giggelnden jungen Frauen, einem zwielichten Hoteldiener, einer jungen Prostituierten und zahlreichen Taxifahrern.

Ein ehrlicher Roman

Nur um dann den Entschluss zu fassen, abzuhauen. Weg von der verlogenen Gesellschaft, in den Westen. Und sich dort als taubstumm ausgeben, um ja nicht mit anderen reden zu müssen. Wäre da nicht die eine Figur, die ihn davon abhalten kann; die ihm die Mütze richtig herum aufsetzt; die ihn begreifen lässt, dass er Verantwortung übernehmen muss; die ihn zum Erwachsenen macht.

Die klare, unverblümte Erzählweise kann man schon als plakativ provozierend bezeichnen. Jedoch lässt die direkte Sprache Holdes Selbstfindungsphase umso authentischer wirken – drückt sie doch treffend seine Gefühle gegen die um ihn herrschende Welt aus. Für mich ist »Der Fänger im Roggen« ein von Grund auf ehrlicher Roman. Zu empfehlen, nicht nur für in der Sinnkrise steckender, pubertierender Jugendlicher.

Datum: 24. Oktober 2010

Ein Leserbrief zu “Jerome David Salinger – Der Fänger im Roggen”

  1. oh, ich war immer ein bisschen verliebt in holden caulfield. dieses buch ist wunderbar.

    angst am 25. Oktober 2010 (» zitieren)

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