Rezension

Len Fisher – Schwarmintelligenz

Fische schwimmen in Schwärmen, Ameisen schaffen sich ihre eigenen Straßen und Heuschrecken fressen im Kollektiv ganze Gebiete kahl. Schwarmintelligenz erlaubt einer Gruppe, »Probleme anzugehen und zu lösen, die kein Einzelner stemmen könnte«, schreibt der Physiker Len Fisher. In seinem Buch »Schwarmintelligenz« beschreibt er die Regeln, »die natürliche Schwärme intelligent machen« – und zeigt Möglichkeiten auf, wie man mit deren Hilfe die »Komplexitäten des Alltags« bewältigen kann.

Die Erklärungen beginnen mit Beobachtungen aus dem Tierreich. Ameisen finden die kürzesten Verbindungen zwischen mehreren Punkten schneller und effektiver als Computerberechnungen; Heuschrecken organisieren sich in riesigen Schwärmen und bewegen sich ohne Kollisionen zusammen in eine Richtung. Die Tiere machen sich den Schwarm zunutze, finden mit ihm Futterquellen und sichern ihr Überleben.

Heuschreckendichte und Menschenströme

Viele Beobachtungen kann man auch auf die Menschenwelt übertragen. So bilden sich nicht nur ab einer bestimmten Heuschreckendichte pro Quadratmeter Schwärme, die sich gleichmäßig in eine Richtung bewegen. Ähnliches kann man auch bei Menschenmassen auf Fußgängerwegen beobachten. Es bilden sich Menschenströme.

In den folgenden Kapiteln wendet sich Fisher langsam vom Tierreich ab und konzentriert sich eher auf das Verhalten von Menschen. Wie verhält sich der Einzelne in Menschenmassen? Wann trifft die Gruppe bessere Entscheidungen als der Einzelne und wann nicht? Was sind Netzwerke und wie kann man sie am besten nutzen? Wie kann man in komplizierte Situationen mithilfe von einfachen Regeln gut reagieren?

Großes Themenspektrum

Mit all diesen Fragen beschäftigt sich der Physiker in diesem Sachbuch, ohne zu sehr ins Wissenschaftliche abzudriften. Len Fisher erklärt die einzelnen Forschungsergebnisse in leicht verständlicher Sprache. Da er sich jeweils auf die wesentlichen Punkte konzentriert, deckt er ein großes Themenspektrum ab. Diese Vielfalt lässt keine langatmigen Passagen und seitenlange Erklärungen zu.

Im letzten Kapitel sind die Kerngedanken des Buches übersichtlich in Stichpunkten zusammengefasst. Möchte man sich mit einigen Themen intensiver beschäftigen, so findet man in den umfangreichen Anmerkungen zahlreiche Verweise auf Forschungsarbeiten und Artikel. Dazu schreibt Fisher: »Ich habe mein Bestes getan, Artikel auszuwählen, die nicht nur wissenschaftliche Meilensteine darstellen, sondern auch spannend zu lesen sind.« Das ist ihm glücklicherweise nicht nur bei den Anmerkungen gelungen, sondern Qualitätsmerkmal des Buches.

Datum: 5. Dezember 2010

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