Rezension

Scott McBain – Das Nemesis-Spiel

Eigentlich wirft Paul Reynolds nichts so schnell aus der Bahn. Als Vorstandsvorsitzender eines großen, weltweit agierenden Konzerns hat er klare Vorstellungen und einen bis auf die Minute durchgeplanten Tagesablauf. Die Arbeit nimmt sein komplettes Leben ein. Das ändert sich schlagartig, als seine Tochter und seine Frau Opfer eines Anschlags in London werden.

Der Anschlag geht auf das Konto des berüchtigten Drogenbosses El Toro. Das offenbart ihm der Waffenhändler Julio. Sein Sohn ist nämlich ebenfalls bei dem Unglück ums Leben gekommen und war darüber hinaus der Freund von Reynolds Tochter. Gemeinsam schwören die beiden Millionäre Rache. Leichter gesagt als getan, denn die Identität El Toros ist nicht bekannt. Man weiß nur, dass sein Aufenthaltsort irgendwo im lateinamerikanischen Dschungel liegt.

Keine mystischen Elemente

Julio und Reynolds trommeln ein kleines Team zusammen, mit dem sie sich ins Dschungel-Labyrinth wagen, um El Toro – den Stier – zu finden. Wer sich jetzt schon an die griechische Mythologie und den Minotaurus erinnert fühlt, liegt richtig. Diese Sage nimmt Scott McBain nämlich als Grundlage für den Roman und weist auch selbst auf die Parallelen hin.

Diesmal bietet die griechische Mythologie, nicht die Bibel – wie beim »Judasfluch« und »Judasgift« – Ausgangsstoff für seinen Roman. Glücklicherweise hat McBain beim »Nemesis-Spiel« auf mystische Elemente wie die Reise durch verschiedene Astralebenen verzichtet. Jedoch wissen vor allem die ersten hundert Seiten nicht wirklich zu begeistern. Viel zu lange braucht McBain, um das Grundgerüst seines Romans aufzubauen und langweilt mit überflüssigen Sätzen wie »Es war der schwärzeste Tag seines Lebens gewesen.«

Klischeehafte Mafia-Killer und Bilderbuch-Drogenhändler

Interessanter wird es dann, wenn der Schlangenmensch Gustavo auftritt. Er ist nämlich die einzige interessante Figur im ganzen Roman, was nicht sonderlich schwer ist zwischen klischeehaft dummen Mafia-Killern und Bilderbuch-Drogenhändlern. Damit auch wirklich jeder Leser den Grundgedanken des Romans versteht, verzichtet McBain nicht darauf, im vorletzten Kapitel noch einmal den ganzen Clou zu erklären.

Und im letzten Kapitel? Da ist dann noch Platz für ein kitschiges »Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute«-Ende. Da hilft es auch nicht, dass der Roman mit einem Zitat vom griechischen Dramatiker Euripides endet. Im »Nemesis-Spiel« erzählt Scott McBain eine nette, streckenweise gut lesbare Geschichte. Mehr aber nicht – auch wenn er das dem Leser zwanghaft zu vermitteln versucht.

Datum: 1. Januar 2011

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