Drumherum

Über den Amazon Kindle, E-Books und die Buchpreisbindung

In den vergangenen Tagen dachte ich darüber nach, mir den Amazon Kindle zu kaufen. Seit einiger Zeit wird der E-Book-Reader aus dem Hause Amazon auch in Deutschland vertrieben. Tatsächlich kann ich mir vorstellen, auf Papier zu verzichten und digital zu lesen – jedenfalls habe ich mich mit dem Gedanken so langsam angefreundet. Warum ich bisher noch kein Kindle mein Eigen nenne? Schuld sind die E-Book-Preise – in Deutschland umso mehr aufgrund der Buchpreisbindung.

Warum überhaupt auf E-Books umsteigen? Einfach, weil sie so einige Vorteile mit sich bringen. Platz im Regal zum Beispiel. Oder Notizen, Markierungen und Suchfunktion. Eine Menge Komfort, wenn man mich fragt. 95 Prozent der Bücher, die in meinem Schrank stehen, werde ich kein zweites Mal lesen – würde ich mal behaupten. Und im Grunde genommen nehmen sie doch nur Platz weg. Kurzum: Ich wäre einem E-Book-Reader gar nicht abgeneigt.

Doch was hält mich davon ab, in die digitale Bücherwelt abzutauchen? Dank der Buchpreisbindung zahlt man hierzulande für die digitale Version genauso viel wie für die jeweilige Printausgabe in der Buchhandlung. Für eine Datei so viel auszugeben wie für etwas, was man anfassen kann? Das kommt für mich irgendwie nicht in Frage. Da ist eine gewisse Hemmschwelle. Das geht nicht. Auf dem englischen E-Book-Markt sieht’s schon ein wenig besser aus. Doch auch dort zahlt man in der Regel um die sieben Euro für ein E-Book.

Blickt man in Richtung iTunes und Co. – da zahle ich doch für einen Titel auch weniger als für die »Platte zum Anfassen« im Laden. Schließlich sparen die Verlage durch den digitalen Vertrieb und der Produktion Kosten, die beim originären Vertrieb anfallen. Warum soll ich also für ein paar Bits und Bytes dasselbe zahlen wie für ein echtes Buch?

Datum: 29. Mai 2011

5 Leserbriefe zu “Über den Amazon Kindle, E-Books und die Buchpreisbindung”

  1. Ganz einfach: weil ein Reader mit offenem Dateisystem tausende von gemeinfreien Texten wiedergeben kann – das Web ist voll mit wunderbaren Quellen, Google books ist nur eine davon. Völlig unabhängig von all dem neumodischen Quatsch, der sowieso in den nächsten sechs Monaten bei Amazon als »gebraucht. wie neu« für 20 % des Ladenpreises verramscht wird, kann ich so ganze Bibliotheken mit wertvollsten Texten mit mir tragen und lesen wann und wo ich will.

    Ich habe mir vor einem halben Jahr den Sony-Reader gekauft, den Thalia damals grade für 100 € verramschte – und zum usprobieren wra der sehr hilfreich.

    Als nächstes werde ich Bücher auf einem Android-Pad lesen.

    Kaufen tue ich dann nur noch, was ich sicher behalten will – das sind keine 5 % von dem, was ich lese. Und wenn mit einer eine gescheite Scan‑
    Technik verschafft, kann er sofort 75 % meiner Bücher aus dem Schrank nach Scan von mir geschenkt bekommen – auf einem Reader würde ich sie vielleicht wirklich noch mal lesen …

    Peter Brunner am 30. Mai 2011 (» zitieren)
  2. Ich spiele auch seit längerem mit dem Gedanken, einen Kindle zu kaufen, etwa für Reisen. Da ich überwiegend englischsprachige Autoren lese, und diese dann im Original, wäre die Buchpreisbindung auch kein Problem. Nett wäre bei Büchern generell allerdings eine Art Bundling – bspw.: kaufe Papierbuch, und bekomme ein Download-Gutschein für das E-Book dazu. Bei deutschsprachigen Fachbüchern ist das oft schon der Fall.

    Was mich bisher letztlich davon abhält, den Kindle zu kaufen, ist, dass sich Amazon die Möglichkeit des Fernlöschens vorbehält. Das ist aus meiner Sicht unakzeptabel. Amazon kann gerne frei entscheiden, welche Titel bei ihnen als E-Book angeboten werden, aber sobald ich einen Titel erworben habe, möchte ich sicher sein können, dass dieser nicht später einfach wieder verschwindet.

    Lars am 30. Mai 2011 (» zitieren)
  3. Mit dem Preis hast du schon recht. Ein Buch zu produzieren kostet auf jeden Fall weniger. Da die Gewinnspanne der Verlage am Buch aber eh recht klein ist, wollen sie die Ebooks vielleicht ja auch nutzen, um diese wieder etwas zu vergrößern?

    Zum universitären Arbeiten finde ich Ebokreader EIGENTLICH praktisch. Aber solche Texte sind in der Regel nicht auf dem Kindle verfügbar. Wenn ich sie mir eh einscannen muss etc, dann kann ich die Texte auch gleich am PC lesen – ein technisches Gerät weniger in meinem Zimmer ;)

    Friederike am 3. Juni 2011 (» zitieren)
  4. Die Frage ist natürlich auch, ob Autoren an dieser Gewinnspanne beteiligt sind, oder ob der Verlag den Großteil absackt.
    Ich bin mittlerweile vorsichtig mit dem Wort »niemals«, obwohl ich nicht glaube, dass ich in meinem Leben noch mal einen Reader kaufen werde. Aber allein schon die theoretische Möglichkeit verfällt zu staub, wenn ich mir die Preise ansehe.

    Natürlich ist ein Buch in erster Linie geistiges Gut. Aber ich bin unseren Bäumen schon in sofern dankbar, als dass ich auch bereit bin, die Rohstoffe anständig zu bezahlen. Ist ein Buch zum anfassen genauso teuer, wie das Gedankengut allein, habe ich immer das Gefühl, dass man die Natur nicht entsprechend respektiert bzw. da nicht anständig in Nachhaltigkeit und Recycling investiert.

    Der Vergleich hinkt jetzt zwar, aber wenn ich ein Autorennen mit dem PC fahre, ist das auch nicht das gleiche, wie in einem echten Auto zu sitzen.
    Bei Büchern würde mir die Haptik, der Duft und das entsprechende Lese(Lebens?)gefühl total fehlen. Das mag in mancherlei hinsicht zu verschmerzen sein, aber nicht, wenn ich dafür genauso viel Geld zahlen muss. Für den vollen Preis erwarte ich auch das volle Erlebnis.

    Lilly am 3. Juli 2011 (» zitieren)

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