Drumherum

Warum mich deutsche Literaturblogs langweilen

Wenn man mich fragt, versinken deutsche Bücher-Blogs derzeit in einer Tristesse. Es fehlen neue Ideen, ein frischer Wind. Das ist unter anderem ein Grund dafür, dass es hier in den vergangenen Wochen ruhiger geworden ist.

Schaut man sich ganz unverbindlich in deutschen Literaturblogs um, sieht man sich schnell umzingelt von öden Beiträgen. Hier und da blitzt mal ein interessanter Artikel oder eine lesenswerte Rezension auf – doch gehen sie unter zwischen den vielen Beiträgen von der Stange.

Verlagswerbung

Zugenommen hat beispielsweise die Verlagswerbung. Ohne Frage gibt es hin und wieder kreative Aktionen oder es flattern Rezensionsexemplare ein von Büchern, die man sich auch gekauft hätte. Das ist aber noch lange kein Grund, jede Pressemitteilung gedankenlos abzutippen und über jedes noch so dubiose Rezensionsexemplar seine Gedanken loswerden zu müssen.

Statistiken

Auch weit verbreitet: monatliche Lesestatistiken. Ganz ehrlich: Es interessiert vermutlich niemanden, wie viele Seiten jetzt der eine im Monat gelesen hat und um wie viele Exemplare der Stapel der ungelesenen Bücher des anderen geschrumpft oder gewachsen ist. Am Ende des Jahres mag das ja eine feine Sache sein, aber muss das monatlich sein?

Ranglisten

Ob es sich um die neuen Wikio-Charts handelt oder die neue Spiegel Online-Bestsellerliste. Alle, die diese Listen spannend finden, wissen, wo sie zu finden sind und wann sie erscheinen. Welchen Mehrwert bringen sie für das Blog, außer dass man zwei bis drei Artikel pro Monat mehr veröffentlicht? Eben.

Fehlende Kreativität

Natürlich gibt es Ausnahmen und immer noch einige Blogs, die ich gerne lese. Insgesamt fehlt mir jedoch die Kreativität in der deutschen „Literaturblog-Szene“, neue Impulse, Abwechslung.

Datum: 19. April 2011

24 Leserbriefe zu “Warum mich deutsche Literaturblogs langweilen”

  1. Hallo Marcel,
    es beruhigt mich ungemein, dass ich nicht allein bin mit meiner Abneigung gegen die Seitenzählerei, die bei vielen Blogs gang und gebe ist. Ein Freund von Bestsellerlisten war ich noch nie, da halte ich es lieber mit Denis Scheck, der die Bestseller ja in herzerwärmender Regelmäßigkeitin die Tonne kloppt.
    Doch bei deiner Kritik an der deutschen Literaturblog-Szene muss ich Abstriche machen. Klar gibt es viele Blogs, die einen langweilen, die einfach auch nicht die richtigen Bücher rezensieren. Das ist es wie in der Verlagsbranche: eine Menge Schrott, nur wenige Perlen. Es halt schwierig, diese im unendlichen Netz zu finden.
    Worüber ich mich vor allem wundere, ist die mangelnde Streitkultur. Ich habe bisher nur ganz selten eine Debatte über ein Buch entdeckt, die sich über die Kommentare entfacht hätte. Und eigentlich dachte ich immer, genau darauf seien Bliogger aus.
    Viele Grüße,
    jenny

    jenny am 20. April 2011 (» zitieren)
  2. Oh ja, die Statistiken! Dafür gibts von mir auch keine Klicks – zum Glück sehe ich das ja im Reader und kann Beiträge mit »Lesestatistik Monat X« einfach überblättern.
    Ansonsten ist es mir auch aufgefallen, dass viele Bücher in nahezu allen Blogs rezensiert werden – es gab ja hie und da schon die Diskussion über Rezensionsexemplare, die da als Ursache des ganzen Übels ausgemacht wurden (wobei es ja einige auch nicht stört).
    Von Rezensionsexemplaren abgesehen: Es gibt halt immer solche »Trendbücher«, die man wochenlang überall rezensiert findet. Vor einiger Zeit waren das Rubinrot und die Folgebände sowie die Tribute von Panem, um nur einige zu nennen. Irgendwann les ich diese Rezensionen dann auch nicht mehr (außer ich hab das Buch selbst gelesen und es interessiert mich so sehr, wie andere es finden).
    Und stimmt, wirklich diskutiert wird kaum. Hab ich jedenfalls auch noch nicht entdeckt. Würde mir das selbst mal wünschen, weil es ein toller Part beim Lesen ist, anschließend auch darüber zu diskutieren und zu erfahren, wie andere das Buch fanden und was ihre Gedanken dazu sind.
    Letztlich hilft da nur eines: Sich die Blogs rauszusuchen, die originell schreiben bzw. diejenigen Bücher rezensieren, die den eigenen Geschmack treffen. Dann liest man halt nur fünf Blogs regelmäßig und gehört vielleicht nicht zur »In-Crowd«, aber zumindest ist die Lektüre immer interessant und man kriegt viele Anregungen.

    Julia am 20. April 2011 (» zitieren)
  3. Hallo Julia,
    ich finde, wir sollten eine Gruppe der Nicht-Statistiker gründen. Das mit den Trendbüchern ist halt so. Geht einen ja in den Feuilletons genauso. Dort werden in hübscher Regelmäßigkeit die gleichen Bücher gehypt oder zerrissen. Und ansonsten wundere ich mich über jeden, der mehr als fünf Blogs regelmäßig liest und dann vielleicht noch selber bloggt. Da bleibt doch dann keine Zeit mehr für das Bücherlesen!
    Viele Grüße,
    jenny

    jenny am 20. April 2011 (» zitieren)
  4. Auch weit verbreitet: monatliche Lesestatistiken. Ganz ehrlich: Es interessiert vermutlich niemanden, wie viele Seiten jetzt der eine im Monat gelesen hat und um wie viele Exemplare der Stapel der ungelesenen Bücher des anderen geschrumpft oder gewachsen ist. Am Ende des Jahres mag das ja eine feine Sache sein, aber muss das monatlich sein?

     – Für mich ist das Blog in erster Linie ein Lesetagebuch und als solches führe ich auch eine Statistik – alleine schon deswegen, um mir die *Jahresendabrechnung* zu erleichtern.

    Ich schreibe das Blog auch nicht, um heiße Debatten zu entfachen (auch wenn ich die heißen Debatten in anderen Blogs gerne lese) und auch nicht, um wer weiß wie viele Leser zu begeistern. Ich schreibe ganz alleine für mich, entweder es gefälltt den Lesern (und die Statistiken der Startseite sind sehr stabil) oder er muss sich eben ein anderes Blog suchen. Ich denke, dass jedes Blog seine Leser hat und Leute, die damit nichts anfangen können.

    Alleine die Überschrift *Warum mich deutsche Literaturblogs langweilen* (ist dein Blog etwa so unglaublich herausrangend?) und diese Alle‑über-einen-Kamm-Schererei finde ich unsäglich arrogant.

    Nomadenseele am 20. April 2011 (» zitieren)
  5. Ob es sich um die neuen Wikio-Charts handelt oder die neue Spiegel Online-Bestsellerliste. Alle, die diese Listen spannend finden, wissen, wo sie zu finden sind und wann sie erscheinen. Welchen Mehrwert bringen sie für das Blog, außer dass man zwei bis drei Artikel pro Monat mehr veröffentlicht? Eben.

    *Räusper*:
    http://readthat.de/111⁄10-buecher-die-man-gelesen-haben-muss-blog-parade

    Nomadenseele am 20. April 2011 (» zitieren)
  6. @Nomadenseele: Keine »Alle‑über-einen-Kamm-Schererei« – ich schrieb, dass es durchaus Ausnahmen gibt. Auch habe ich nicht geschrieben, dass alle Blogs automatisch »schlecht« sind, die irgendwelche Beiträge in einer der o.g. Formen beinhalten.

    Den Abschnitt mit den Listen hast du anscheinend falsch verstanden. Hier ging es um Listen, die irgendwo abgeschrieben und republiziert werden. Die von dir verlinkte Liste ging aus einer Aktion hier im Blog hervor.

    Marcel am 20. April 2011 (» zitieren)
  7. Keine »Alle?über-einen-Kamm-Schererei« – ich schrieb, dass es durchaus Ausnahmen gibt.

     – Das war für mch weder aus dem Text, noch aus der Überschrift ersichtlich, Entschuldigung.

    ___

    Insgesamt fehlt mir jedoch die Kreativität in der deutschen „Literaturblog-Szene“, neue Impulse, Abwechslung.

     – Was willst du denn bei einem Literaturblog. Die Qualitäten der Rezis mögen von Blog zu Blog und von Beitrag zu Beitrag schwanken (meine letzte war auch mehr als lausig). Aber letztendlich kann man nur kurz den Autor/Inhalt vorstellen und dazu seine Meinung schreiben. Das sich jemand die Mühe macht/dazu in der Lage ist, z.B. ein, zwei Bilder zum Buch zu malen dürfte selten sein.
    Abwechslung gibt alleine das Subjekt *Buch-Rezi* nicht her.

    Nomadenseele am 21. April 2011 (» zitieren)
  8. Ich habe deinen Artikel erst jetzt entdeckt, finde ihn aber sehr interessant (auch wenn es die Diskussion ja so ähnlich schon zur Genüge gab): Ich habe nämlich eben grade einen Beitrag gepostet, wo ich ein paar Blogs vorstelle, die mir in jüngster Zeit neu begegnet sind und die ich gerne lese http://blauraum.net/blogs-kommen-und-gehen/

    Ich verstehe auch, dass diese »Stagnation«, die du empfindest, für dich selbst nicht grad motivierend ist, aber halt dich doch einfach an die Blogs, die inspirierend sind und blende den Rest aus – so mache ich das auch ;)

    Friederike am 22. April 2011 (» zitieren)
  9. Zu den Monatsstatistiken ist mein Eindruck ein ganz anderer. Ich veröffentliche sie für mich, da ich so kontrollieren kann wie viel ich lese (ich bin da ambitioniert ;) Und dies sind gerade die Beiträge zu denen ich das meiste Feedback kriege.
    Rezensionen, wie zum Bespiel zu Josef und Li, einem tschechischen Kinderbuch, gehen da fast unter. Ich hab das Gefühl als würde sich der größte Teil der Leser mehr für die »Beiträge von der Stange«, die du in deinem Post benannt hast interessieren, als für Rezensionen. Obwohl diese schließlich (zu Mindest bei mir) tragende Posts sind und Artikel zu verschiedenen Themen immer nur sporadisch auftreten.

    Katarina Liest am 22. April 2011 (» zitieren)
  10. Was mir beim Lesen der Kommentare eingefallen ist:

    Nicht meckern – machen!

    Geh mit gutem Beispiel voran, bewege was, lass deiner Kreativität freien Lauf. Vielleicht fühlen sich einige der drögen Blogger inspiriert und denken sich auch was aus, was keiner sonst hat ;)

    Katarina Liest am 22. April 2011 (» zitieren)
  11. Vielleicht lohnt da der Blick auf Blogs, die nicht auf den ersten Blick Literaturblogs sind. Ich muss da jetzt mal in eigener Sache sprechen – und zwar für schoener-denken.de, ein Blog, das sich mit Büchern, aber auch mit Filmen und anderen schönen Dingen im Leben auseinandersetzt. Bei Bücherfreunden beliebt ist unsere Reihe »Prof. Pu und die Pücher« (jeden zweiten Sonntag http://schoener-denken.de/blog/index.php/category/prof-pu/). Stolz sind wir auch auf lange Serien (http://schoener-denken.de/blog/?s=nicer+fictions) und tiefe Einblicke in große Literatur (http://schoener-denken.de/blog/index.php/kafka-der-verschollene/). Und es gibt da draußen noch eine Menge Blogs mehr, die frische und kluge Sachen über Bücher sagen und dabei weder Werbung noch Statistiken im Auge haben. Hört nicht auf zu suchen.

    Thomas am 22. April 2011 (» zitieren)
  12. @Katharina: Ich glaube das liegt aber auch daran, dass solche Einträge einacher zu kommentieren sind als eine Rezension. Wenn man das Buch nicht kennt, kann man da ja nicht mehr schreiben als »oh das kaufe ich mir auch.danke«

    Aber du hast Recht: Neue Erfindungen müssen her

    Friederike am 22. April 2011 (» zitieren)
  13. @Katarina Liest:

    Genau das hat mich beim Lesen so auf die Palme gebracht: Wo sind denn hier im Blog die großen Innovationen? Anklagen, dass andere Blogs blöd und gleichförmig sind, geht leicht.

    Nomadenseele am 22. April 2011 (» zitieren)
  14. Weißt du, was mich langweilt, Marcel? Dass inzwischen mehr bloß übers Bloggen diskutiert als einfach gebloggt wird. Ich schätze dein Blog und finde es schade, dass du dich so einfach anstecken lässt. Insofern würde ich mich freuen, wenn du selbst – statt ebenfalls in der von dir bemängelten Tristesse zu versinken – mit gutem Beispiel vorangehen würdest. Das ist nämlich gar nicht mal so leicht. ;-)

    Nina [libromanie] am 22. April 2011 (» zitieren)
  15. @Nina [libromanie]:

    Vor allem sind die englischsprachigen Blogs in der Masse nicht besser als die deutschsprachigen. Nur weil es mehr gibt, gibt es auch mehr bessere.

    Nomadenseele am 22. April 2011 (» zitieren)
  16. »Insgesamt fehlt mir jedoch die Kreativität in der deutschen „Literaturblog-Szene“, neue Impulse, Abwechslung.«

    Ich gebe dir völlig recht, wenn ich auf einen blog komme und lese, daß im jahr des herrn insgesamt 16.434 seiten gelesen wurden: klick und weg…. auch die ganze werbung.. was ich persönlich in deiner aufzählung noch vermisse, sind die auslobungen von geschenken, die rätselfragen um bücher u.ä…..

    nur würde mich (du ahnst es) interessieren, was du dir unter »kreativität, impuls und abwechslung« bei einem bücherblog vorstellst? natürlich könnte ich mich beim lesen filmen und das einstellen… oder ein podcast über das buch machen.. aber in erster linie lese ich ja und der blog ist »nur« ein folgeprodukt der leserei, also dieser in seiner bedeutung nachgeordnet… oder um es platt zu sagen die zeit, die ich ins bloggen investiere, geht mir zum lesen verloren….

    lg
    fs

    flattersatz am 23. April 2011 (» zitieren)
  17. Das Bloggen über Bücher ist ja in der Hinsicht recht undankbar, weil man immer relativ stark auf Rezensionen beschränkt bleibt.
    Man muss sich da ja auch nicht sofort einen abbrechen und sich vor Kreativität überschlagen, bloß um gelesen zu werden. Ich kann nur von mir sprechen: Zunächst einmal geht es darum, ob mich die rezensierten Bücher überhaupt interessieren. Ist das nicht Fall, kann man halt nix machen – merke ja auch bei meinem Blog, dass manche Bücher mehr, manche weniger Leute interessieren. Aber Geschmack ist Geschmack, und wenn bestimmte Genres besprochen werden, die einen nicht interessieren, dann sucht man sich eben die Blogs raus, bei denen diese Genres nicht vorkommen.
    Ich lege sehr viel Wert darauf, durch Blogs neue Bücher kennenzulernen, von denen ich sonst nicht erfahren hätte. Sowas ist ein großer Pluspunkt, und zum Glück gibt es genügend Blogs, wo ich sowas finde.
    Wer dazu beitragen möchte, dass die Blogosphäre wieder etwas heterogener wird, sollte am besten mal tüchtig verlinken und empfehlen! Es gibt sie ja, die guten Blogs, aber manchmal schaue ich mir ne Blogroll durch, entdecke ein bisher unbekanntes Blog, bin dann total begeistert davon und wundere mich gleichzeitig, wieso gerade dieses Blog nicht bekannter ist. Ich denke, durch Empfehlungen/Verlinkungen honoriert man am ehesten die Originalität von Blogs und hilft vielleicht ein wenig, dem »Einheitsbrei«, der hier kritisiert wurde, Einhalt zu gebieten.

    Julia am 23. April 2011 (» zitieren)
  18. Was die Statistiken betrifft: Woher nimmst du die Behauptung, dass es niemanden interessiert? Ich persönlich finde es durchaus interessant und freue mich jedes Mal auf den letzten Tag des Monats, an dem fast alle Blogs aus meinem Feed-Reader ihre Statistiken veröffentlichen, von denen ich auch jede lese. Ich schau gern, was und wie viel andere gelesen haben. Und da bin ich, wie ich aus Erfahrung weiß, nicht die Einzige!

    Nur, weil du sie nicht magst, bedeutet das also noch lange nicht, dass das auf alle zutrifft.

    Stephie am 23. April 2011 (» zitieren)
  19. Ich bin erst seit kurzem mit meinem Blog in der Literaturblog-Szene unterwegs und muss gestehen, dass ich schon begeistert bin von den vielen unterschiedlichen Formaten und teilweise sehr gelungenen Gestaltungsideen. Ich glaube letztendlich ist es wie mit allen Bereichen im Leben. Ob nun in der Beziehung, im Studium oder auf Arbeit – irgendwann kommt Routine rein, man fragt sich wofür das eigentlich alles und die Motivation geht den Bach runter. Du hast ja selbst geschrieben, dass Du aus den genannten Gründen weniger geschrieben hast. Daher finde ich die Diskussion, die Du angestoßen hast richtig und wichtig! Bei einigen Punkten geb ich Dir Recht: Statistiken und Ranglisten interessieren mich auch nicht aber es gibt eben genügend Leser, die es interessiert – letztendlich alles eine Geschmackssache. Was auch gut so ist! Eine gute Streitkultur belebt immer – vielleicht auch nachhaltig in Deinem Sinne die deutschen Literaturblogs.

    Vera am 24. April 2011 (» zitieren)
  20. Hallo zusammen,
    ich fasse diesen Artikel nicht als arrogant auf. Es ist die Meinung des Bloggers (Marcel, wenn ich es richtig verstanden habe?) und jeder hat da andere Maßstäbe. Wenn er davon gelangweilt ist, dann ist er gelangweilt. Andere sind es vielleicht nicht und darüber lässt sich diskutieren.

    Bestsellerlisten
    Ich stimme dir zu, was die Übernahme von Listen angeht. Als begeisterte Leserin weiß ich selbst, wo ich diese finden kann. Doch ich rege mich nicht darüber auf, wenn sie jemand in sein Konzept integriert. Ich denke, für manche Literaturblogger gehören diese Listen untrennbar zum Thema Literatur dazu und um ein möglichst umfassendes Angebot zu liefern, werden sie auf dem Blog veröffentlicht.
    Natürlich gibt es sicher auch Blogger, die solche Beiträge dazu nutzen, ihren Blog mit leicht erstelltem Inhalt zu füllen, aber solange sie noch mehr zu bieten haben, kann ich diese Listen getrost »überblättern«, wenn sie mich nicht interessieren, und zu den interessanteren Beiträgen springen.

    Monatsstatistiken
    Ebenso verhält es sich mit den Monatsstatistiken. Ich unterscheide zwischen privaten Blogs und Literaturmagazinen. Bei einem Literaturmagazin wäre so eine Statistik sicher absolut fehlplatziert. Ein Literaturblog hingegen ist für mich in den meisten Fällen eine Seite, auf der ein begeisterter Leser seine persönlichen Gedanken rund um das Thema Buch niederschreibt. Mal schreibt er für sich selbst, mal für andere. In beiden Fällen kann er mit seinem kleinen Platz im Netz anstellen, was er möchte und wenn für ihn die Monatsstatistik dazu gehört, dann gehört sie eben dazu.
    Mich zwingt niemand, das zu lesen und ich selbst erstelle solche monatlichen Beiträge auch nicht (dafür habe ich ein kleines Notizbuch), doch ich kenne ein paar Blogger, die das so handhaben und die ich trotzdem sehr schätze. Die Statistiken stören mich nicht, denn ich kann sie leicht ignorieren, wenn mir danach ist.
    Manchmal haben sie jedoch auch etwas Praktisches, denn wenn ich längere Zeit in einem Blog nicht gelesen habe, bekomme ich so eine gute und vor allen Dingen schnelle Zusammenfassung, welche Bücher der Blogger gelesen und rezensiert hat und ich kann mir das Passende aus der Übersicht herauspicken (sofern der Blogger die gelesenen Bücher verlinkt).

    Verlagswerbung + Trendbücher
    Der Umgang mit Rezensionsexemplaren wurde oft genug diskutiert. Kurz gesagt: Ich finde es nicht schlimm, wenn Verlagsnamen dezent auf der Seite auftauchen und ich verurteile niemanden, der seinen Blog mit Rezensionen zu Freiexemplaren füttert.
    Ich kritisiere allerdings die Handhabung, jedes Rezensionsexemplar positiv und unkritisch zu bewerten, nur weil man es kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen hat. Mittlerweile kann ich jedoch gut filtern, bei wem das der Fall ist und wer seine Meinung unabhängig und frei heraus äußert.
    Zu viel Werbung oder wenn der Verlagsname mehr Platz einnimmt als die Rezension, schrecken mich auch ab. Doch auch hier kann ich schnell erkennen, worum es dem Blogger geht (bloß angeben und vorzeigen ohne viel Inhalt oder eine fundierte Meinung inklusive Verlagsnennung).

    Dass bestimmte Bücher wellenartig durch fast alle Blogs wandern, lässt sich in meinen Augen nicht vermeiden, vor allen Dingen dann nicht, wenn ein Buch viele Fans hat, die bereits sehnsüchtig auf eben jenes gewartet haben. Biss, Rubinrot und Panem interessieren mich nicht, doch es gibt sicher genug Leute, die sich gerne Meinungen dazu durchlesen. Und wenn ich auf meinen Lieblingsblogs zu ein und demselben Buch hunderte Meinungen lese, dann ist das für mich bis zu einem gewissen Punkt sogar sehr interessant, da die Meinungen sehr unterschiedlich ausfallen können.
    Fühle ich mich übersättigt, halte ich es wie mit den Statistiken und ignoriere jede weitere Rezension zu dem Buch einfach.

    Ich selbst rezensiere fast jedes Buch, das ich gelesen habe und da kann es natürlich auch vorkommen, dass eines der Bücher schon tausendmal auf anderen Seiten und Portalen rezensiert wurde. Doch mich interessiert nicht die Quantität, sondern die Qualität und wenn ich ebenfalls eine Meinung zu einem oft besprochenen Werk habe, dann veröffentliche ich sie auch. Manche meiner Besucher lesen sie sich dann auch tatsächlich durch, obwohl sie schon unzählige andere Meinungen zu dem Buch gelesen haben.
    Ich denke, das liegt einfach daran, dass manche an genau meiner Meinung interessiert sind, weil sie meinen Geschmack einschätzen können (genauso ist es auch andersrum) oder weil eine weitere Meinung immer noch interessante Aspekte aufgreifen kann, die andere vielleicht ganz anders wahrgenommen haben.
    Viele Meinungen zu einem Buch bieten eben auch eine gute Grundlage für die geschätzten Diskussionen.
    Würde ich meinen Blog nur mit Geheimtipps füllen wollen, die niemand oder nur sehr wenige kennen, dann könnte ich wohl nur zwei bis drei Artikel im Monat veröffentlichen (wenn überhaupt). Doch warum soll ich ein Buch meiden oder nicht besprechen, nur weil es viele Leute bereits gelesen haben? Es kann mir ja trotzdem sehr gut gefallen und ich kann trotzdem etwas dazu sagen wollen.

    Neue Ideen, Impulse, Kreativität
    Ich finde es unglaublich spannend, wenn sich ein Blogger etwas ganz Tolles oder noch nie Dagewesenes einfallen lässt und damit seine Leser überrascht! Es ist beeindruckend, wie kreativ manche Schreiber sind und von dieser Kreativität lasse ich mich gerne anlocken.
    Allerdings bin ich allgemein gesprochen nicht der Typ für das Prinzip »schneller, höher, weiter, besser«. Ich schätze allzu oft auch die bekannte und altmodische Art, sofern mich die Qualität überzeugt.
    Das Wie kann bei einer Rezension oder der Gestaltung des Blogs ausschlaggebend für das Wecken von Interesse sein, doch letztlich nützt mir als Leser die tollste Idee und Verpackung nichts, wenn das, was dahinter oder darin steckt, mehr Schein als Sein ist.
    Mal abgesehen davon, dass nicht jeder besonders kreativ ist, aber vielleicht trotzdem tolle, interessante oder kontroverse Gedankengänge niederschreibt.

    Zusammenfassend kann ich mir einfach aussuchen, was ich lese oder nicht. Ein Blog, der nur langweilt, stets an der Oberfläche treibt oder lediglich Rezensionsexemplare abgreifen will, wird ziemlich schnell untergehen oder zumindest keine Besucher haben. Doch solange es Leser gibt, die sich für das Geschriebene interessieren, erfüllt auch das tausendmal Wiederholte seinen Zweck, weil die Nachfrage eben besteht. Was den einen langweilt, findet der andere interessant und gerade diese Vielfältigkeit schätze ich.

    Liebe Grüße,
    Ada

    Ada Mitsou am 30. April 2011 (» zitieren)
  21. Sie klingen sehr frustriert. Meine Freundin und ich versuchen mit unserem Blog »Fünf Bücher« etwas Abwechslung in die Literaturblogszene zu bringen. Mal sehen, wo es hinführt. Das Projekt wurde ja erst gerade geboren.

    Philippe am 16. Juni 2011 (» zitieren)
  22. Kann mich dem (auch 3 Jahre später) nur anschließen. Aus Frustration habe ich selbst ein Blogprojekt gestartet… und muss zugeben, dass das gar nicht so einfach ist.
    http://www.besondersbuch.wordpress.com

    besonders buch am 21. April 2014 (» zitieren)

Einen Leserbrief schreiben

Hinweis: Dein erster Kommentar in diesem Blog muss erst freigeschaltet werden und wird nicht sofort unter dem Artikel angezeigt. Nicht erwünscht sind werbliche Kommentare und Begriffe im Namen-Feld, die der Suchmaschinenoptimierung dienen.