Rezension

Jostein Gaarder – Die Frau mit dem roten Tuch

Ein tragisches Erlebnis trieb das junge Liebespaar Solrun und Steinn auseinander. Rund 30 Jahre später treffen die beiden zufällig wieder aufeinander. Sie reden über das Geschehene und verarbeiten es. Die beiden haben mittlerweile ganz unterschiedliche Weltsichten entwickelt, die nun im Dialog aufeinander stoßen.

Diesmal nutzt Jostein Gaarder den E-Mail-Wechsel zwischen Solrun und Steinn als Bühne für seine philosophischen Ausführungen. Und mit dieser Konstruktion hat er es sich leicht gemacht. Die beiden Figuren haben sich lange genug nicht gesehen, um nun umschweifend im E-Mail-Verlauf ihre unterschiedlichen Weltsichten abzugleichen.

Gaarder-Standardprogramm mit einigen frischen Gedanken

Eingefleischte Gaarder-Fans erwartet hier erstmal nicht viel Neues. Steinn vertritt als Klimaforscher die streng wissenschaftlichen Ansichten. Er glaubt nur das, was sich beweisen lässt, erzählt Solrun umfassend vom Urknall, der Evolution und wie unglaublich doch das Universum ist, ja, das Leben und Bewusstsein überhaupt. Gaarder-Standardprogramm sozusagen, auch typische Aussprüche wie »Die Welt ist hier und jetzt!« fehlen nicht.

Eine andere Schiene fährt hingegen Solrun. Mit ihren »christlich-esoterischen« Ansichten bringt Jostein Gaarder einige frische Gedanken in den Roman. Nachdem Solrun und Steinn ihren Dialog über Glauben und Wissen, Leben und Tod beendet haben, übernimmt Solrun die Aufarbeitung jenes Erlebnisses, das die beiden einst trennte. Der Roman mündet dann in einem überraschend effektiven und gelungenem, wenn auch etwas abrupten, Ende. Und mit einer klaren Ansage an den Leser: Egal wie du dich entscheidest – am Ende bleibt der Zweifel und die Ungewissheit.

Man muss es Jostein Gaarder lassen, dass er (immer noch) komplexe Gedanken und Zusammenhänge in einfachen Worten und interessant erklären kann. Vorwerfen muss man ihm allerdings, dass er größtenteils alten Wein in neuen Schläuchen verkauft. Während neue Leser viel Spaß haben können, werden sich alte Gaarder-Fans über viele Seiten des Romans hinweg langweilen.

Datum: 16. Juli 2011

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