Rezension

Mark Haddon – Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone

Ehrlich gesagt regt die deutsche Übersetzung des englischen Originaltitels nicht wirklich das Interesse eines potenziellen Lesers. »The Curious Incident of the Dog in the Night-time« klingt da schon wesentlich kreativer – und wird diesem Roman eher gerecht.

Protagonist in Mark Haddons Roman ist der 15-jährige Christopher Boone. Aus seiner Sicht wird die Geschichte erzählt. Das macht den Roman so besonders, denn Mark ist autistisch. Er kann keine Gesichtsausdrücke lesen, versteht keine Witze und kann nicht lügen. Christopher mag rote Dinge, hasst aber gelbe und braune – und das alles macht seinen Alltag gar nicht so einfach.

Ein lebloser Nachbarspudel

Neue Situationen und Umgebungen sowie ein fehlender festgelegter Tagesablauf überfordern ihn. Deshalb hasst er auch die Urlaube in Frankreich, denn da weiß er nie, was am Tag so geschehen wird. Zu Hause ist es anders: Zusammen mit seinem alleinerziehenden Vater lebt er im beschaulichen Swindon, einer englischen Kleinstadt, und dort hat er seinen festen Tagesplan und seine gewohnte Umgebung.

In der Sonderschule kümmert sich vor allem Siobhan um Christopher. Sie hilft ihm, sich in der Gesellschaft zurechtzufinden und seine Mitmenschen zu verstehen. Sie hat ihm auch geraten eben dieses Buch zu schreiben, nachdem Christopher den leblosen Nachbarspudel entdeckt hat.

Kreativ und abwechslungsreich

Nach seinem großen Vorbild Sherlock Holmes begibt sich Christopher systematisch auf die Suche nach dem Mörder und hält seine Recherchen und logischen Überlegungen im Buch fest. Doch bei einer Kriminalgeschichte bleibt es nicht, denn schon bald nimmt die Geschichte eine Wendung.

Mark Haddon schafft es, genau den richtigen Ton zu treffen. Der Roman ist amüsant und witzig, ohne albern zu sein. Soweit man es beurteilen kann, wird Christopher ziemlich authentisch dargestellt. Nicht zuletzt aufgrund seiner sympathischen, klugen Gedankengänge und Schilderungen wächst er dem Leser schnell ans Herz. Ein kreativer und abwechslungsreicher Roman – bitte mehr davon!

Die Rezension bezieht sich auf die englischsprachige Originalausgabe »The Curious Incident of the Dog in the Night-time«.

Datum: 6. Januar 2012

Ein Leserbrief zu “Mark Haddon – Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone”

  1. Besten Dank für die tolle Rezension! Ich habe das Buch vor gut zwei Jahren auch im englischen Original mit großer Begeisterung gelesen (Rezension hier im Biblionomicon) und kann mich Deiner Meinung darüber nur anschließen. Hat jemand eigentlich schon einmal etwas anderes von Mark Haddon gelesen? Wenn ja, wäre ich für Meinungen und Rezensionen sehr dankbar.

    Viele Grüße,
    Harald

    Harald am 7. Januar 2012 (» zitieren)

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