Rezension

Matt Ruff – The Mirage

Ich mag die Romane von Matt Ruff. »Fool on the Hill« steht weit oben auf der Liste, »G.A.S. Die Trilogie der Stadtwerke« und »Ich und die anderen« fand ich auch super. Ich mag die Geschichten, die Figuren, den Stil. Dementsprechend gespannt war ich auf »The Mirage«.

Matt Ruff lässt in »The Mirage« am 9. November 2009 christliche Fundamentalisten zwei Flugzeuge ins Tigris & Euphrates World Trade Center in Bagdad steuern, ein drittes ins Arab Defense Ministry in Riad. Die Terror-Anschläge leiten in die verdrehte Romanwelt von »The Mirage« ein.

UAS statt USA

Die Vereinigten Staaten von Amerika gibt es in dieser Welt nicht – dafür die United Arab States, die nach den Anschlägen den Krieg gegen den Terror erklären.

Protagonisten des Romans sind die Ermittler um Mustafa al Baghdadi, die im Auftrag der Arab Homeland Security unterwegs sind. In einer Vernehmung behauptet ein Selbstmordattentäter gegenüber Mustafa, die ganze Welt, die er kenne, sei nur ein Trugbild. Die Aussage verleitet Mustafa zu weiteren Ermittlungen.

Lagsamer Aufbau

Die Geschichte mag aberwitzig klingen. Aber gerade solch absurde Geschichten kann Matt Ruff normalerweise gut erzählen, ohne ins Alberne abzudriften. »The Mirage« ist leider eine Ausnahme.

Matt Ruff lässt sich lange Zeit, die Geschichte aufzubauen. Über viele Seiten hinweg wird dem Leser die Romanwelt erklärt. Für ein besseres Verständnis sorgen zwischen den Kapiteln Einträge aus der »Library of Alexandria«, dem Wikipedia der Spiegelwelt. Ebenso detailreich werden die Figuren und deren Hintergründe vorgestellt.

Zunehmend konstruiert

Nur geht der langsame Aufbau zu Lasten der Haupthandlung, die im ersten Drittel des Romans nahezu gar nicht vorangetrieben wird. Kurzum: Es ist langatmig. Der einzige Antrieb ist die Erwartung einer Ruffschen Wendung und einer geschickten Auflösung.

Auf dem Weg dahin warten in den letzten beiden Dritteln detailreich geschilderte Actionszenen, die in einem Drehbuch vermutlich besser aufgehoben wären. Ohne den Clue vorwegzunehmen: Die Geschichte wird zunehmend konstruiert, als seien irgendwann die Ideen ausgegangen. Oder als habe sich Matt Ruff im Mittelteil verrannt und sein Ziel aus den Augen verloren. Das kann er besser.

Datum: 8. Juli 2012

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