Rezension

Haruki Murakami – Naokos Lächeln

Es ist nur eine Liebesgeschichte, so wie es auf dem Cover des Romans heißt – nur ganz anders. Der 37-jährige Ich-Erzähler und Protagonist Toru Watanabe blickt auf seine Jugendzeit zurück – die Zeit, in der er zwei Frauen liebte, sich nicht entscheiden konnte, daran fast verzweifelte. Die Zeit, in der er zwischen der ruhigen Naoko und der lebenslustigen Midori stand.

Naoko und Toru verbindet eine gemeinsame Kindheit und eine gemeinsame Freundschaft zu Kizuki, Torus bestem Freund und gleichzeitig Naokos Geliebten. Ohne Vorwarnung zerbricht das Dreiergespann – Kizuki begeht mit 17 Jahren Selbstmord. Weder für Naoko noch für Toru ein leichtes Los. Ihre Wege trennen sich, jeder möchte den Verlust für sich selbst verarbeiten.

Wiedersehen in Tokio

Einige Monate später begegnen sich die beiden zufällig in der Tokioer U-Bahn, reden nicht viel, verbringen jedoch fortan viel Zeit miteinander. Der Tod Kizukis lässt Naoko nicht unberührt: Bald holt sie das Trauma wieder ein, und ihre Eltern lassen sie in ein Sanatorium einweisen.

Fast zeitgleich lernt Toru, der mittlerweile Theaterwissenschaften studiert, die Kommilitonin Midori Kobayashi kennen, die quasi das Gegenteil von Naoko verkörpert: Extrovertiert, lebenslustig, aufgedreht, impulsiv. Die Freundschaft der beiden wird immer enger, würde sich Toru nicht zu Naoko und Midori hingezogen fühlen.

Herrlich melancholisch

Seine Unentschlossenheit wird zu einem großen Problem, ist seine Freundschaft zu Naoko doch immer schon eine Gratwanderung zwischen Tod und Leben gewesen. Bewundernswert ist, wie Toru in dieses »Labyrinth der Gefühle geschleudert« wird, ist er doch immer aufrichtig, immer bemüht, niemanden zu verletzen.

Haruki Murakami beschreibt die besondere Konstellation herrlich melancholisch, fasst Torus Gedankengefängnis ganz wunderbar in Worte. »Naokos Lächeln« unterscheidet sich völlig von meinem ersten Murakami-Roman »Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt«, verzaubert auf eine ganz andere Art und Weise. Mitreißend und sicherlich nicht mein letzter Murakami.

Datum: 10. Dezember 2008

2 Leserbriefe zu “Haruki Murakami – Naokos Lächeln”

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