Rezension

Andreas Eschbach – Ausgebrannt

Andreas Eschbach - Ausgebrannt

Dass er erzählen kann, das braucht Andreas Eschbach nicht mehr zu beweisen. Schon in »Das Jesus Video« oder »Eine Billion Dollar« zeigte sich, dass er schreiben kann. Dass er erklären kann. Dass er spannend erzählen kann. Umso höher waren also meine Erwartungen an seinen neuen Thriller »Ausgebrannt«, der ein gar nicht so absurdes Szenario thematisiert: Das Ende des Erdölzeitalters.

Das größte Ölfeld in Saudi-Arabien versiegt, bringt kein schwarzes Gold mehr zutage. Steigende Benzinpreise sind noch die geringste Sorge – Weltuntergangsstimmung. Dann der Protagonist: Markus Westermann. Es findet sich immer jemand, der nicht aufgibt, der denkt, die Welt retten zu können. Glücklicherweise läuft das alles nicht so einfach ab, sonst hätte man den Thriller vergessen können.

Erschreckend realitätsnah

Zusammenbruch der Weltwirtschaft, weltweite Hungersnöte, Krieg – die logische Folge, wenn das Öl wegbleibt, in einem System, das auf Öl basiert? Andreas Eschbach greift ein doch recht aktuelles Thema auf. Ein erschreckend realitätsnahes Thema. Er denkt weiter, spielt mit verschiedenen Konstellationen, bezieht sich auf wahre Wirtschaftsfakten und verbindet diese geschickt mit seinen Erzählmethoden, kreiert einen tollen Wirtschaftsthriller.

Interessant ist die Erzählstruktur: Im ersten Teil des Thrillers werden Gegenwart und Zukunft parallel erzählt, tauchen oft neue Figuren auf, und doch ist es keineswegs konfus. Der Leser weiß stets, wo er dran ist, wird von der Dynamik mitgerissen. Wie schon gesagt: Erzählen kann der Autor.

Ein wirklich guter Thriller

Die Schwachstelle tut sich meiner Meinung dann auf, wenn zu weit weitergedacht wird. Die eingeschlagene Richtung wird konsequent beibehalten, irgendwann muss es ja so weit kommen, dass es dem Leser zu spekulativ wird. Wo man als Leser nicht mehr hundertprozentig mitgerissen wird, einfach weil der anfänglich vorhandene Bezug zur Realität nicht mehr vorhanden ist. Dass nicht mehr auf Fakten aufgebaut wird, sondern auf Fakten, die sich im Lauf der Geschichte gebildet haben.

Das hört sich alles viel dramatischer an als es ist – bei »Ausgebrannt« handelt es sich um einen wirklich guten Thriller, wie ich finde – doch ist das der Grund, warum ich nicht volle fünf Sterne für das Buch vergebe.

Bewertung: 4 Sterne

Datum: 6. Januar 2009

4 Leserbriefe zu “Andreas Eschbach – Ausgebrannt”

  1. Erzählen kann der gute Mann wirklich. Schon aus dem Grund musste ich mir den Film »Das Jesus Video« auf DVD kaufen. Die Story ist wirklich klasse gemacht und wirkt sehr real – so könnte es sich wirklich abspielen denkt man dann sofort.
    »Ausgebrannt« hört sich laut deiner Rezension sehr interessant an. Mal schaun, ob ich mir das nicht zufällig zu meinem baldigen Geburtstag schenken lasse *g*

    Falco am 13. Januar 2009 (» zitieren)
  2. @Falco
    Der Film »Das Jesus-Video« hat kaum etwas mit dem gleichnamigen Buch von A. Eschbach zu tun und der Autor distanziert sich auch strikt von diesem Film. Das kannst du auch auf seiner Homepage nachlesen.

    @Marcel
    Ich fand das Buch auch klasse! Hatte es in einer Woche durch. War auch auf einer Lesung in Berlin, als Eschbach aus »Ausgebrannt« vorlas. Das war klasse, weil er die bayerische Mundart hervorragend (nachmachen?) kann ;-) Eines der genialsten Bücher, die ich je gelesen habe, ist übrigens »Eine Billion Dollar« von ihm. Zwar ein richtig dicker Wälzer, den ich dir aber unbedingt ans Herz legen möchte! Gerade in Zeiten von Finanzkrisen wie jetzt, ist das Thema des Buches wieder hochaktuell und man lernt viel über (welt)wirtschaftliche Zusammenhänge.

    Angelcurse am 16. Januar 2009 (» zitieren)
  3. @ Angelcurse: Danke für den Tipp, aber ich hab »Eine Billion Dollar« nicht ohne Grund am Anfang der Rezension genannt ;-) Wurde auch schon von mir gelesen und als ziemlich gut empfunden :-) Gerade die wirtschaftlichen Aspekte und Zusammenhänge, die du auch ansprichst, sind ziemlich interessant und gut erklärt!

    Marcel am 16. Januar 2009 (» zitieren)

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