Rezension

Paulo Coelho – Veronika beschließt zu sterben

Paulo Coelho - Veronika beschließt zu sterben

»Am 11. November 1997 entschied Veronika, jetzt sei es – endlich – an der Zeit, sich das Leben zu nehmen.« Nüchtern beginnt Paulo Coelhos Roman um die junge, unglückliche Veronika, die von ihrem gleichförmigen Leben gelangweilt ist, keine andere Perspektive für sich sieht, als zunehmendes Leid. »Nichts war so wie es sein sollte, und sie konnte nichts dagegen tun.«

So beschließt Veronika, zu sterben. Doch bringt die Überdosis Schlaftabletten nicht den erhofften Tod, sondern das Erwachen im berüchtigten Irrenhaus Villete. Der Selbstmord ist gescheitert, doch soll Veronika einen schweren Herzfehler davongetragen haben – ihr bleiben nur noch wenige Tage zu leben.

Gibt es überhaupt Normalität?

In der Zeit lernt sie Villete, seine Pfleger und Patienten kennen, reflektiert ihr Leben und gewinnt angesichts des Todes einen neuen Lebensgeist. Unter den »Verrückten« erlangt sie ganz neue Ansichten und bekommt viele neue Impulse. Verrücktheit und Normalität laufen ineinander über – gibt es überhaupt Normalität?

Doch nicht nur Veronikas Lebenskampf wird beschrieben, sondern auch die Geschichten und Probleme vom schizophrenen Eduard, von Mari und Zedka, die Veronika im Anstaltsalltag kennenlernt. Hinzu kommt Dr. Igor, der Anstaltsleiter, der dem wilden Nest die Krone aufsetzt, mit seinen Therapiemethoden die »Verrücktheit« erforschen möchte und auf der Suche nach einem Gegenmittel ist.

Eine interessante Geschichte mit facettenreichen Figuren

Paulo Coelho schafft mit »Veronika beschließt zu sterben« einen schönen Roman, der die eigene Lebenslust erweckt und zu einem gewissen Grad »Verrücktheit« motiviert – für Lebensträume muss man etwas riskieren. In einem guten Schreibstil verpackt er eine interessant Geschichte mit facettenreichen Figuren, die alle eine eigene Geschichte zu erzählen haben.

Gefühlvoll beschreibt Coelho den Lebenskampf, den Lebenswandel, den Prozess, den Veronika durchläuft – appelliert aber auch an den Leser, sich nicht hängen zu lassen, den gewissen Mut zum Leben aufzubringen.

Bewertung: 4 Sterne

Datum: 11. Februar 2009

7 Leserbriefe zu “Paulo Coelho – Veronika beschließt zu sterben”

  1. Als ich das Buch kurz nachdem es rausgekommen ist gelesen habe, war ich total begeistert davon – ein paar Jahre später fand ich es einfach nur noch furchtbar. Das ist das einzige Buch, bei dem ich so einen krassen Unterschied erlebt habe, und das hat mich damals ziemlich erstaunt ;)

    Was mich am meisten daran stört  – wie an allen Coelho-Büchern, die ich kenne – ist, dass es zu »gewollt« ist. Ich mag es nicht, wenn solche Botschaften (hab Mut zum Leben, lass Verrücktheit zu etc.) so unverschleiert daherkommen, das empfinde ich als belehrend und aufdringlich.

    Hast du auch andere Bücher von ihm gelesen?

    Eva am 17. Februar 2009 (» zitieren)
  2. @Eva: Nein, das war mein erster Coelho. Ich hatte eigentlich vor, noch mehr von ihm zu lesen, man hört ja so viel Gutes… Aber soo doll hat mich das Buch jetzt nicht mitgerissen, als dass ich sofort nach weiteren Büchern von ihm dürste ;-) Doch in Zukunft wird wohl noch das ein oder andere drin sein.

    Marcel am 17. Februar 2009 (» zitieren)
  3. Mir geht es da ganz ähnlich wie Eva. Früher habe ich fast alle Bücher des Autors besessen und war restlos begeistert. Mittlerweile habe ich mich von den meisten seiner Werke verabschiedet, da die Aussage bei jedem seiner Bücher sehr ähnlich und so offensichtlich ist. Auf Dauer hat mich das gelangweilt.

    Nichtsdestotrotz mag ich Veronika beschließt zu sterben immer noch; außerdem auch noch Der Dämon und Fräulein Prym und Der Alchimist. Bei letzterem scheiden sich die Geister ja sehr, aber ich betrachte es als schönes, kleines Märchen, mit dem ich Erinnerungen verbinde.

    Der Rest wurde von mir vertauscht.

    Ada Mitsou am 12. Dezember 2009 (» zitieren)
  4. ich habe das buch im jahr 2000 gelesen und war enttäuscht. der ganze hype, warum? allerdings muss ich gestehen, dass ich grundsätzlich kein fan con coelho bin (ja, zu gewollt) und das buch von vornherein einfach keine chance hatte …

    vielleichtsagerin am 4. Januar 2011 (» zitieren)
  5. Das ist blöd, dass man im Studium viele Bücher liest, die einen nicht interessieren und es wenig Zeit gibt um für sich zu lesen.

    Alex am 9. Juni 2011 (» zitieren)
  6. Ich habe den Roman an einem einzigen Tag verschlungen, weil ich so fasziniert von der Geschichte war.

    Allerdings kann ich mir eine Frage nicht beantworten. Veronika will sich am 11.11.1997 umbringen, am 18.02.1998 endet die Geschichte. Aber in der Klinik heißt es, sie lebt nur noch 5 Tage, höchstens eine Woche. Anders gesagt, handelt der gesamte Roman von ihrer »letzten« Woche. Warum endet die Geschichte dann aber gut 3 Monate später?

    Mia am 28. Dezember 2012 (» zitieren)

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