Rezension

Chuck Palahniuk – Fight Club

Chuck Palahniuk - Fight Club

Ja, das gab’s auch als Buch. Und zwar bevor es den Film gab. Vor dem Hype, der erst durch den Film ausgelöst wurde. Das ist dem Autor wichtig. Das manifestiert er im neuen Vorwort. Völlig zurecht. Auch wenn erst Brad Pitt und Edward Norton von heute auf morgen »Fight Club« berühmt machten – die literarische Vorlage des Films hat es in sich.

Mittelpunkt des Geschehens ist ein namenloser Ich-Erzähler, Angestellter einer großen Automobilfirma, recht zufrieden mit seinem Leben – jemand, der eigentlich sorgenfrei leben kann. Doch dann wird er von einer Schlaflosigkeit geplagt. Anfangs können Besuche von Selbsthilfegruppen für chronisch Kranke die Schlaflosigkeit lindern. Nach einiger Zeit wird er süchtig nach den Besuchen – doch es hilft.

Bis er auf Marla Singer trifft. Eine weitere Simulantin, die dieselben Gruppen wie er besucht. Sie bringt den Protagonisten aus seinem inneren Gleichgewicht, das er durch die Therapiestunden aufbauen konnte. Die schlaflosen Tage und Nächte kehren zurück.

»Ich will, dass du mich so fest schlägst, wie du nur kannst.«

Auf einer Dienstreise lernt der Ich-Erzähler dann Tyler Durden kennen, der ihn – nachdem sein Appartement explodiert und er ohne Bleibe dasteht – bei sich wohnen lässt. Einzige Bedingung: Der Protagonist soll Tyler schlagen. So fest er nur kann.

Aus diesem ersten, befreiendem Kampf bildet sich der Fight Club, der schnell zu einem Treffpunkt für enttäuschte, vom normalen Leben gelangweilte Männer wird. Männer, die gegen die Leere in ihrem eigenen Leben kämpfen. Denn im Fight Club ist jeder etwas Besonderes, ganz gleich, welchen Job er hat; ganz gleich, wo er in der Gesellschaft steht. Im Fight Club kämpft Mann gegen Mann.

Acht Regeln als Grundlage und zugleich Leitmotiv

Der Fight Club ist ein exklusiver, geheimer Treff – denn »Regel Nummer eins beim Fight Club heißt: Man redet nicht darüber.« Und: »Regel Nummer zwei beim Fight Club heißt: Man redet nicht darüber.« Diese zwei und sechs weitere Regeln sind Grundlage für den Fight Club und zugleich Leitmotiv des Buches.

Doch bei diesem Club bleibt es nicht – Tyler Durden will mehr, und errichtet in allen größeren Städten Fight Clubs, die zu einem großen, organisiertem Gebilde – gleich einer Armee – werden. Das Projekt Chaos entsteht. Ein Projekt, das sich gegen die bestehende, kapitalistische Gesellschaft richtet, eine Gesellschaft, in der jeder nur noch vor sich hinlebt und seinen Platz ausfüllt. Ein Projekt, das voll und ganz der Tyler-Philosophie entspricht. Eine kleine Terrorgruppe.

Inhaltlich sowie sprachlich herausragend

Wer bei »Fight Club« an sinnlose Action‑ und Kampfszenen denkt, liegt weit daneben. Viel mehr steht das Leben, die Gedanken, Gefühle und Ansichten des namenlosen Ich-Erzählers im Mittelpunkt des Geschehens. Dazu kommt eine große Portion Gesellschaftskritik. Aus vielerlei Hinsicht ist »Fight Club« ein geniales Werk – unvorstellbar, dass Chuck Palahniuk erst Probleme hatte, das Manuskript zu verkaufen. Nicht nur inhaltlich – man will nicht zu viel verraten – ist »Fight Club« super aufbereitet – nein, auch sprachlich ist es meiner Meinung nach herausragend. Ein Aspekt, den ich so nicht erwartet hätte.

Das Buch fängt direkt stark an, spitzt sich zu, beinhaltet einen toll beschriebenen Wendepunkt und wenn man es durch hat, will man es am liebsten direkt noch einmal lesen. Es zählt zu den wenigen Büchern, die ich sicherlich noch ein zweites Mal lesen werde – ich bin einfach nur begeistert.

Übrigens lohnt es sich auch, den Film anzusehen, der »Fight Club« nicht ohne Grund berühmt machte. Regisseur David Fincher hat die literarische Vorlage toll umgesetzt und einen künstlerisch genialen Film erschaffen. Dabei griff er auf vielfältige Stilmittel zurück und übernahm viele Dialoge wörtlich aus dem Buch.

Bewertung: 5 Sterne

Datum: 13. März 2009

3 Leserbriefe zu “Chuck Palahniuk – Fight Club”

  1. Ich habe den Film »Fight Club« mehrmals gesehen und bin beeindruckt vom Spiel von Brad Pitt und Edward Norton. Edward Norton gehört zu meinen Lieblingsschauspielern. Von diesem Buch habe ich nie vorher gehört und freue mich, dass ich dieses Blog gefunden habe :) Das Buch lese ich bestimmt! Danke für die Info. Gruß, Jan

    jan am 24. August 2009 (» zitieren)
  2. Ich hab das Buch letztes Jahr gelesen und, obwohl es gut war – keine Frage – fand ich’s im Vergleich zum Film doch eher undynamisch. Mir war da zu viel »he said/she said« drin, es war zu früh klar, dass Tyler nur im Kopf des Erzählers existiert.

    Katarina Liest am 13. Mai 2011 (» zitieren)
  3. Ich mag Palahniuk sehr gerne, obwohl er zum Teil wirklich sehr krasse Dinge schreibt – Fight Club ist da im Vergleich zu anderen Büchern eher »harmlos«. Auch wenn der Film, ohne dessen Erwähnung man über das Buch ja eigentlich nicht sprechen kann, sehr nah an der Vorlage ist, fand ich beide in ihrer eigenen Art sehr gelungen. Vor allem die Konsumkritik ist mit filmischen Mitteln noch einmal besonders schön umgesetzt worden (z.B. die Szene in Edward Nortons Ikea-Katalog-Wohnung). Trotzdem finde ich das Buch auf jeden Fall lesenswert, auch für all jene, die den Film schon kennen.

    Schön, dass das hier besprochen wurde. Ist leider gerade hierzulande nicht annähernd so bekannt wie der Brad Pitt-Film.

    Yvonne am 6. November 2011 (» zitieren)

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