Rezension

Haruki Murakami – Kafka am Strand

Haruki Murakami - Kafka am Strand

»Kafka am Strand« ist eine Metapher. Oder eine Allegorie. Jedenfalls keine, die so leicht aufzuschlüsseln ist. Haruki Murakami pur. Ein Roman, in dem man es dem Autor auch abkauft, dass es Blutegel regnet. Ein modernes Märchen? Mehr als das. Intensiver, fantastischer, facettenreicher, verworrener. Haruki Murakami halt.

Da wären mal wieder zwei Handlungsstränge, die anscheinend unabhängig voneinander sind, und zwei verschiedene Geschichten erzählen. Zum einen die Geschichte des 15-jährigen Kafka Tamura, der an seinem Geburtstag von zu Hause ausreißt. Grund ist eine schreckliche Prophezeiung, Ödipus lässt grüßen, die sein Vater ihm gemacht hat.

Sprechende Katzen

Zum anderen ist da der ältere Nakata, seit einem mysteriösen Vorfall in seiner Kindheit im zweiten Weltkrieg nicht mehr lesen kann, und keine Erinnerungen mehr hat. Selbst bezeichnet er, der nun mit Katzen sprechen kann, als »dumm«. Über sich redet er stets in der dritten Person Singular, was ihn nicht weniger seltsam macht. Dafür umso sympathischer.

Kafka landet auf seiner Flucht auf der Insel Shikoku, genauer gesagt in der Komura-Gedächtnisbibliothek. Dort freundet er sich mit dem Bibliothekar Oshima an, der ihm auch Unterkunft und Arbeit in der Bibliothek besorgt. Schnell verliebt sich Kafka in die ältere Bibliotheksleiterin Saeki.

Johnnie Walker & Colonel Sanders

Nakata verlässt aufgrund eines Mordfalls Tokyo und findet in dem Fernfahrer Hoshino einen geeigneten Wegbegleiter. Getrieben von Eingebungen, führt es die beiden – wie sollte es anders sein – auch nach Shikoku. Dass Nakata die Bekanntschaft mit einem gewissen Johnnie Walker macht, oder das Hoshino auf Colonel Sanders trifft – Elemente, die man Murakami in diesem Buch einfach abkauft. Aufgrund der Erzählweise, der Atmosphäre, aufgrund des Murakami-Flairs.

Natürlich kreuzen sich früher oder später die beiden Handlungsstränge, fügen sich zu einem Gesamtbild zusammen. Auf sprachlicher und inhaltlicher Ebene betrachtet. Murakami spielt mit vielen verschiedenen Elementen, fügt sie zusammen, nimmt von hier was und von da was, erschafft eine ganz neue, fantastische und faszinierende Geschichte.

Zu versuchen, »Kafka am Strand« aufzuschlüsseln oder es zu beschreiben, wäre wahrscheinlich vermessen. Man muss es einfach selber lesen, selber deuten, sich von der Murakami-Welt verzaubern lassen.

Bewertung: 4 Sterne

Datum: 28. März 2009

6 Leserbriefe zu “Haruki Murakami – Kafka am Strand”

  1. Klingt sehr interessant :-) Werde mir das glaub auch mal zu Gemüte führen. Von Murakami kenn ich bisher nur das autobiographische »Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede« (Dumont).

    Roland - saubereingeschenkt am 31. März 2009 (» zitieren)
  2. Hach, es kann doch nicht sein, dass zwei Bücher von ihm schon subben und mir dann doch immer was dazwischen kommt irgendwie! ‚Kafka am Strand‘ wurde mir auch schon angeboten.
    Ich glaube, langsam wird es echt Zeit, dass ich Murakami endlich mal anteste…

    Dank dir für die Rezi! =)

    LG,
    Nina

    Nina am 6. April 2009 (» zitieren)
  3. @Nina: Ja, Murakami muss man auf jeden Fall mal anlesen ;-) Entweder es gefällt, oder es gefällt nicht – reine Geschmacksache. Ich könnte beide Seiten nachvollziehen, für mich kommt aber »gefällt« in Frage ;-)

    Marcel am 13. April 2009 (» zitieren)
  4. Das klingt ja gar nicht schlecht.Ich glaube ich werde mal das Stück lesen.Es scheint sehr interessant zu sein.Danke für den Tipp.

    Michael am 16. April 2009 (» zitieren)
  5. Absolut empfehlenswert! Ich hatte es in fünf Tagen durch. Konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen. Man verliert sich total in der von Murakami erschaffenen Welt. Am Ende bin ich zwar mit vielen noch offenen Fragen zurückgeblieben, aber ich glaube, das macht das Buch auch so interessant und lesenswert: dass man selbst über mögliche Lösungen nachdenken muss und sie einem nicht gleich vorgesetzt werden. Auch wenn man auf keine plausiblen Lösungsansätze kommt. Aber wen wundert das bei Haruki Murakami?!?

    UNBEDINGT LESEN!!!

    Kristin am 16. Juni 2009 (» zitieren)

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