Rezension

Aldous Huxley – Brave New World (Schöne neue Welt)

Aldous Huxley - Brave New World (Schöne neue Welt)

Gemeinschaft, Gleichheit und Stabilität (»Community, Identity and Stability«) – auf diesen Grundsätzen beruht Aldous Huxleys Weltstaat. Alle sind glücklich; es gibt keinen Krieg, kein Leiden, keine Probleme. Glücklich mit dem herrschenden Kastensystem, das die Menschen in Alphas, Betas, Gammas, Deltas und Epsilons unterteilt. Glücklich mit ihrer Position in der Gesellschaft. Und wenn etwas mal nicht so läuft, gibt es ja immer noch »Soma«, die Trenddroge der neuen Welt, die schnellstens alles wieder in Ordnung bringt.

Wir befinden uns im Jahr 632 nach Ford, dem Erfinder der Massenproduktion, nach unserer Zeitrechnung im Jahr 2540. Menschen werden nicht mehr geboren, sondern wachsen im Reagenzglas auf. Nebenbei wird ihr Stand in der Gesellschaft vorherbestimmt. Ihre Bildung und Weltanschauung bekommen sie durch Schlafhypnose und Konditionierung.

Fehler im System

»Everybody belongs to everybody else.« ist ein Grundsatz, der der neuen Gesellschaft vermittelt wird. Promiskuität sichert die Stabilität. Alles unter Kontrolle der Welt-Herrscher.

Mittendrin lebt Bernard Marx, Alpha, gar nicht zufrieden mit dem System. Er sehnt sich nach einer persönlichen Freiheit, die er in der schönen neuen Welt nicht findet. Ein Fehler im System. Das merkt auch sein Chef, der Direktor der »Brut‑ und Normzentrale« (»Hatchery and Conditioning Center«). Bernards Kündigung ist quasi beschlossen.

Zusammen mit Lenina Crowne, ein Prototyp der neuen Welt, macht er einen Ausflug ins Reservat (»reservation«) in New Mexico. Dort leben noch »wilde« Menschen, Indianer. In der Wildnis lernen sie John kennen, der angeblich der Sohn von Bernards Chef ist. In ihm sieht Bernard eine Chance, zurück in die Gesellschaft zu kommen, seine Position zu festigen, aufzusteigen.

Sichtlich gut konstruiert

Zurück in der schönen neuen Welt kann sich John allerdings nicht einleben. Weder im Reservat noch im neuen Weltstaat sieht er ein Zuhause. Der Konflikt ist vorprogrammiert…

Aldous Huxleys bekanntestes Werk »Brave New World« ist ein klassisches Beispiel einer Utopie. Mit vielen Bildern und sichtlich gut konstruiert schafft er ein Buch, das grundlegende gesellschaftliche Fragen aufwirft und mehr beinhaltet, als nur eine Science-Fiction-Geschichte. Zwar mag es dem Leser an einigen Stellen zu überzogen vorkommen, doch kommen nach einigen Überlegungen die Szenen plausibel daher.

Es empfiehlt sich auf jeden Fall »Brave New World« in der englischen Originalfassung zu lesen, da die deutsche Übersetzung ziemlich abenteuerlich, nein, einfach mies ist.


Datum: 12. September 2008

12 Leserbriefe zu “Aldous Huxley – Brave New World (Schöne neue Welt)”

  1. Danke für die interessante Rezi, das Buch steht schon lange auf meiner »Muss ich unbedingt lesen«-Liste (zumal ich ja ein Fan von Dystopien bin ;)). Auf die Idee, es auf Englisch zu lesen, bin ich noch gar nicht gekommen, aber wenn die Übersetzung wirklich so miserabel ist, wird es das wohl werden. Wie ist es denn vom Sprachlichen her? Leicht zu lesen oder doch eher anspruchsvoll?

    Eva am 13. September 2008 (» zitieren)
  2. @ Eva: Im Englisch LK in der 13 wird es zur Zeit gelesen, teilweise liest man es auch schon in der 11. So anspruchsvoll fand ich es eigentlich nicht. Aber vielleicht ist ja die Version mit Vokabelhilfen ganz gut für den Einstieg: Cornelsen Senior English Library – Fiction: Brave New World. Ab 11. Schuljahr: Textheft

    Marcel am 13. September 2008 (» zitieren)
  3. Okay, wenn man es in der Schule liest, werde ich ganz bestimmt keine Probleme damit haben – ich wusste gar nicht, dass das Schullektüre ist. Zu meiner Zeit haben sie uns mit »The Outsiders« gequält ;)

    Eva am 14. September 2008 (» zitieren)
  4. Dann mal viel Spaß damit – wusste ja nicht, wie fit du in der englischen Sprache bist ;-)

    Marcel am 16. September 2008 (» zitieren)
  5. Woher auch ;)
    Sollte ich es aber wirklich auf Englisch lesen, werde ich mir aber auf jeden Fall diese Ausgabe besorgen, weil da lt. Amazon die literarischen und sonstigen Anspielungen erklärt werden, und sowas finde ich immer interessant.

    Eva am 17. September 2008 (» zitieren)
  6. Ich fand das Buch (habe die deutsche Version gelesen) gut, aber es hätte noch um einiges besser werden können. So ist es für mich ein »einmal-lesen-und-dann-ab-ins-regal-Buch« ;)

    Boff am 20. September 2008 (» zitieren)
  7. Verdammt, ich war noch nicht fertig xD

    … meine Mutter hat auch gemeint, dass die englische Version um einiges besser ist. Die werde ich bestimmt auch mal lesen, nur nicht so bald. Die Deutsche Fassung wirkte auf mich ein bisschen trostlos und fad ;)
    (jetzt bin ich fertig^^)

    Boff am 20. September 2008 (» zitieren)
  8. Die deutsche Version kenne ich nur auszugsweise und die ist sowas von konstruiert, beziehungsweise waren die Übersetzungen sowas von weit hergeholt, dass es eigentlich eher lächerlich war. Wie eine schlechte Parodie, sprachlich daneben ;-)

    Es ist ja schon komisch, dass der Inhalt abgeändert wurde (London → Berlin, Namen eingedeutscht), das kann ich ja schon leiden, bei Übersetzungen.

    Marcel am 20. September 2008 (» zitieren)
  9. Tolle Rezension! Ich habe das Buch übrigens vor vielen Jahren in der Schule gelesen, allerdings auf englisch, und es wurde gleich eines meiner Lieblingsbücher. Das Bedenkliche daran ist ja, dass das Gesellschaftsbild in dem Roman gar nicht mehr so weit hergeholt scheint. Wer weiß, wie lange es noch dauert, bis es verwirklicht wird. Wenn man den Fernseher einschaltet oder die Zeitung aufschlägt, bekommt man es mittlerweile ja schon mit der Angst zu tun.
    Mit lieben Grüßen,
    Markus

    Markus am 18. November 2008 (» zitieren)
  10. Sehr geniales Buch! Wo ist da bitte die Utopie? Schaut doch einfach auf die Prekariatsdebatte. Oh, my Ford!

    Oliver am 24. November 2008 (» zitieren)
  11. Sehr geniales Buch! Wo ist da bitte die Utopie? Schaut doch einfach auf die Prekariatsdebatte. Oh, my Ford!

    Die »Schöne Neue Welt« ist insofern eine Utopie, dass die Menschen die in ihr leben – sofern sie sich ihr anpassen, was jedoch die meisten automatisch tun – kein Leid, keine Schmerzen haben. Es gibt keinen Krieg, und wenn doch mal was schief läuft, hilft eine ordentliche Portion Soma. Natürlich ist es nur solange eine Utopie, bis jemand das System so nicht annimmt und anfängt frei zu denken. Beispiel: Bernard Marx.

    Man könnte sicherlich noch viel darüber diskutieren ;-)

    Marcel am 24. November 2008 (» zitieren)

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