Rezension

Matt Ruff – Ich und die anderen

Matt Ruff - Ich und die anderen

Schon die Idee, der Grundgedanke, hat mich fasziniert. Wäre der Autor allerdings nicht Matt Ruff gewesen, der mich mit »Fool on the Hill« absolut überzeugen konnte, hätte ich keine großen Erwartungen in den Roman gesteckt – zu anspruchsvoll ist es doch, so eine Idee literarisch angemessen umzusetzen. Eine Geschichte aus der Sicht einer Figur mit multipler Persönlichkeitsstörung.

Humorvoll steigt Matt Ruff in das Thema ein. Mit dem absurden Morgenritual der Hauptfigur Andrew Gage, das sich als ziemlich aufwändig entpuppt – schließlich muss nicht nur eine Person zufrieden gestellt werden, sondern gleich mehrere. Mithilfe seiner Psychologin Dr. Grey hat Andrew seine Persönlichkeiten jedoch in den Griff bekommen: Er hat ein imaginäres Haus gebaut, in dem die verschiedenen Seelen leben. Geistiges Gleichgewicht.

Chaos

Doch aus diesem Gleichgewicht gerät Andrew, als auf seiner Arbeitsstelle Penny Driver auftaucht. Penny ist nämlich auch multipel – nur weiß sie es noch nicht, und hat regelmäßig mit Blackouts zu kämpfen. Sie wacht in fremden Betten auf, ihr fehlen Erinnerungen – ihr Leben ist das reinste Chaos. Immer wieder blitzen andere Persönlichkeiten auf und übernehmen die Kontrolle über ihren Körper.

Auf Drängen seiner Chefin versucht Andrew, Penny zu helfen. Dabei gerät er jedoch selbst in Schwierigkeiten, denn auch in seiner Vergangenheit sind noch einige Erlebnisse nicht verarbeitet. Das Seelengebilde droht zusammenzubrechen.

Wirre Geschichte, liebevoll und authentisch beschrieben

Matt Ruff beschreibt diese wirre Geschichte authentisch und liebevoll – da wo es sich anbringt mit einer Prise Humor. Insgesamt handelt es sich dann aber doch um einen mitreißenden, rührenden Roman um zwei Figuren, die ganz anders sind, als die üblichen Romanfiguren. Droht die Spannung des Romans gegen Mitte langsam abzuebben, dreht und wendet Ruff auf einmal die Geschichte, baut eine unglaubliche Wendung ein, und schließt den Roman glaubwürdig ab.

Mein zweites Buch von Matt Ruff, das wie schon »Fool on the Hill« begeistern konnte, nur auf eine ganz andere Art und Weise.

Bewertung: 4 Sterne

Datum: 18. April 2009

4 Leserbriefe zu “Matt Ruff – Ich und die anderen”

  1. Schöne Rezension über ein ebensogutes Buch! Darf man fragen, was der Grund ist weshalb das Buch nur vier, anstatt fünf Sterne, bekommen hat? (:

    erdbeerliebe. am 22. August 2009 (» zitieren)
  2. @erdbeerliebe.: Weil ich persönlich »Fool on the Hill« noch einen Tacken besser fand ;-)

    Marcel am 24. August 2009 (» zitieren)
  3. Hmm, ich finde, dass man die beiden Werke nicht miteinander vergleichen kann. Fool on the Hill ist fantastischer, Ich und die anderen näher an der Realität. Den Fool fand ich stellenweise sehr abgedreht, Ich und die anderen etwas menschlicher, wenn auch nicht weniger verrückt.
    Na, ich geb beiden 5 Sterne :)

    Ada Mitsou am 23. November 2009 (» zitieren)

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