Rezension

Daniel Kehlmann – Der fernste Ort

Mittelmäßiger Versicherungsangestellter, mittelmäßiges Leben – Julian nutzt einen Schwimmunfall, um seinen eigenen Tod vorzutäuschen und ein neues Leben zu beginnen. Sein Ziel: Einfach nur weg, weit weg. Ultima Thule, der fernste Ort, faszinierte Julian schon als Kind.

Auf seiner Flucht vor seinem eigenen Leben kommen Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend auf. Verschwommene Erinnerungen an seine Eltern, seinen hoch begabten Bruder Paul. Erinnerungen, Träume und Wünsche vermischen sich mit seiner Realität, ziehen ihn an den fernsten Ort.

Ein großartiges Buch von Daniel Kehlmann, wahrscheinlich sein unterschätztestes Werk. In keinem anderen Buch spielt er so mit Realität und Fiktion und begibt sich auf eine gewagte Gratwanderung zwischen Leben und Tod. Auf knapp 150 Seiten werden die Ereignisse und Handlungen immer undurchsichtiger – je näher Julian seinem Ziel kommt, desto mehr weicht auch die Realität. Es empfiehlt sich, »Der fernste Ort« innerhalb von wenigen Tagen zu lesen, sonst können einige Passagen unklar werden und Zusammenhänge verschwimmen.

Datum: 8. August 2008

4 Leserbriefe zu “Daniel Kehlmann – Der fernste Ort”

  1. Ein geniales Buch von diesem Kehlmann. Seine frühen Werke finde ich beeindruckender als bspw. seine Vermessung der Welt. Ich habe damals die waghalsige Theorie aufgestellt, dass dieser unser Held in den ersten Seiten tatsächlich ertrunken ist und die Folgeseiten mehr oder weniger als Vision zu deuten sind. So ähnlich wie die Erzählung von Ambrose Bierce – Der Zwischenfall auf der Brücke über dem Eulenfluss«, wo dessen Held auf eben dieser Brücke erhängt werden soll, und es ihm gelingt zu fliehen. Irgendwann auf der letzten Seite baumelt er am Strick.
    Bei Kehlmann bleibt letztlich alles offen, mir jedoch gefiel der Gedanke.
    Mir gefällt ihr Blog optisch sehr gut. Auch die Einführung vollständiger Rezensionen macht die Seite zum Vergnügen. Gruß, Patrick

    Patrick am 15. August 2008 (» zitieren)
  2. Vielen Dank für das Lob! Und: Dass Kehlmann die Interpretation dem Leser überlässt – tolle Sache!

    Marcel am 16. August 2008 (» zitieren)

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