Rezension

Haruki Murakami – Blinde Weide, schlafende Frau

Haruki Murakami - Blinde Weide, schlafende Frau

»Einen Roman zu schreiben bedeutet eine Herausforderung für mich, Kurzgeschichten zu schreiben ein Vergnügen«, heißt es im Vorwort zu Haruki Murakamis Kurzgeschichtensammlung »Blinde Weide, schlafende Frau«. Und auch das Lesen der großen, bunten Murakami-Wundertüte gestaltet sich als ein Vergnügen. Denn nicht nur Romane kann der japanische Autor schreiben.

Melancholisch und doch traumhaft sind die Welten, in die Haruki Murakami den Leser in 24 Kurzgeschichten entführt. Immer wieder auftretende, typische Motive: Der Jazz, die Einsamkeit, die Zweisamkeit, die gezwungenermaßen in Einsamkeit endet. Und natürlich der Schriftsteller, der Romancier als Erzähler. Meist sind es Situationen aus dem Alltag, die erst normal verlaufen, dann jedoch phantastische, surrealistische, oder einfach unbegreifliche Elemente hinzugefügt bekommen.

Spielwiese für Murakami

Die mutwillige Aussparung von Informationen und nicht geklärte Fragen geben vielen Geschichten erst ihre Daseinsberechtigung. Wenn Fragen offen gelassen werden, wenn Motive nicht klar erkennbar sind, wenn man eigentlich noch weiterlesen möchte, aber die Geschichte bereits zu Ende ist – dann sind das die Elemente und Mittel, mit denen Murakami der Geschichte das gewisse Etwas mitgibt.

Kurzgeschichten sind für Murakami eine Spielwiese, ein Platz zum Ausprobieren und Austoben. So tummeln sich die unterschiedlichsten Geschichten, Gedanken und Ideen in »Blinde Weide, schlafende Frau« – gelungene sowie weniger gelungene Texte. In einigen Kurzgeschichten kann der Leser auch einige Elemente aus Romanen Haruki Murakamis wieder finden, denn er hat seine Geschichten »häufig umgeschrieben und in Romane eingearbeitet«.

Insgesamt ein runde, empfehlenswerte Kurzgeschichtensammlung – mehrere Leckerbissen, die Haruki Murakamis Romane auf eine wundervolle Art ergänzen.

Bewertung: 4 Sterne

Datum: 30. Juni 2009

Ein Leserbrief zu “Haruki Murakami – Blinde Weide, schlafende Frau”

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