Rezension

Christa Wolf – Kassandra

Christa Wolf - Kassandra

»Hier war es. Da stand sie. Diese steinernen Löwen, jetzt kopflos, haben sie angeblickt. Diese Festung, einst uneinnehmbar, ein Steinhaufen jetzt, war das letzte, was sie sah.« So beginnt Christa Wolfs Erzählung »Kassandra«. Aus der Sichtweise der Kassandra, einer Figur aus Homers Illias und der griechischen Mythologie, schildert und kommentiert sie die Ereignisse des Trojanischen Krieges.

Kassandra ist eine Tochter von Priamos, König Troias und bekommt von Gott Apollon die Sehergabe. Da Kassandra Apollons Liebe nicht erwidert, verflucht er sie, sodass sie zwar die Zukunft sieht, ihr jedoch niemand Glauben schenkt. So sieht sie den Krieg, den Feind, die Griechen und den unweigerlichen Untergang Troias kommen, stößt aber nur auf taube Ohren.

Interessanter Erzählstil

In einer männerdominierten Gesellschaft tritt Kassandra als weibliche Widerstandsfigur auf, die letztendlich doch hoffnungslos scheitert, den Tod als einzigen Ausweg sieht. Dabei lässt das Buch mehrere Deutungen zu: Zum einen lässt sich das System in Troia auf die, für Christa Wolf damals gegenwärtige, DDR beziehen, zum anderen geht es um die Rolle der Frau generell und in dem herrschenden Patriarchat.

Die ersten Seiten und Schilderungen Kassandras sind zunächst etwas schwer zu verstehen. Sie erzählt wirr, verstört und baut Zeitsprünge ein, die dem Leser das Verständnis zu Anfang nicht gerade erleichtern. Allerdings wird früher oder später klar, dass die Schilderungen Kassandras Gedanken ein geeignetes Stilmittel sind. Gerade die erst nicht chronologische Abfolge unterstreicht ihre Gefühle und Gedanken. Zudem wirkt die Erzählung authentischer, der Leser nimmt quasi Kassandras Rolle ein. Das ist die große Stärke des Buches, ein interessanter Erzählstil, der das Werk lesenswert macht.


Datum: 13. August 2008

15 Leserbriefe zu “Christa Wolf – Kassandra”

  1. Das Buch habe ich vor zwei Jahren mal angefangen, dann aber abgebrochen. Ich hatte kurz davor »Medea« von Wolf gelesen, das mir sehr gefallen hat, aber bei »Kassandra« ist es mir schwer gefallen, in die Geschichte hineinzukommen. Ich habe aber geplant, das Buch in diesem Jahr noch zu lesen, weil der Erzählstil, wie du es schreibst, sehr ansprechend ist (aber eben auch etwas schwierig). Ich bin schon gespannt, ob es diesmal klappt – deine Rezension hat mich auf jeden Fall wieder sehr neugierig auf das Buch gemacht :)

    Eva am 13. August 2008 (» zitieren)
  2. Hallo Eva,

    bei mir ist es so, dass »Kassandra« zu den Pflichtlektüren für den Deutsch-LK zählt und auch Thema für das Zentralabitur 2009 in NRW ist. Sonst wäre ich sehr wahrscheinlich nie darauf gekommen, dieses Buch zu lesen. Die ersten, na ja, 30–40 Seiten – da versteht man wirklich nicht viel vom Inhalt. Aber ab da geht es dann wirklich leichter, vor allem fängt dann auch endlich mal ein längerer, chronologischer Handlungsstrang an.

    Insgesamt anspruchsvoll, aber doch ziemlich interessant ;-)

    Marcel am 13. August 2008 (» zitieren)
  3. Uhhhh, ich habe das ganze als Hörbuch gehört und habe kein Wort verstanden … War das Hörbuch nun der »Fehler« und sollte ich es noch mal mit dem Buch versuchen, oder ist es einfach nur eine krude Geschichte?

    Forsch am 9. Dezember 2008 (» zitieren)
  4. @ Forsch: Es ist sicherlich kein Buch, dass man zum Einschlafen oder nebenbei hören oder lesen kann. Die ersten 40 Seiten sind teilweise so verwirrend, dass man gar nicht mitkommt und mit den auftretenden Figuren Probleme bekommen kann. Danach wird jedoch chronologisch berichtet. Als Buch kann ich es nur empfehlen, wenn du allerdings nicht auf so eine »krude Geschichte«, wie du es bezeichnest stehst – lass es lieber ;-)

    Marcel am 9. Dezember 2008 (» zitieren)
  5. Also, ich habe das in Deutsch lesen MÜSSEN! DAs war der Horror. DAs man sowas als Pflichtlektüre nimmt ist wirklich grausam für die Schüler.
    Eigentlich lese ich wirklich gerne und hatte auch keine Schwierigkeiten bei Don Carlos oder Effi Briest, aber diesen können Sie wirklich aus dem Lehrplan streichen! DAs ist Folter das zu lesen und wie soll jemand(Schüler) heute noch das so interpretieren.
    Ich kenne jemand der seine Examensarbeit über das Buch geschrieben hat und wir sollen das interpretieren können.
    Was soll der der MIst bitte schön!!!
    Aber es ist eine schreiberische Leistung etwas so zu verpacken. Gute Leistung Christa Wolf!

    Lucy am 27. Januar 2009 (» zitieren)
  6. Hab ich »Kassandra« teilweise gelesen, aber ehrlich gesagt hat es mir nicht so gut gefallen. Frau Wolf hat bessere Bücher meines Erachtens..

    Karl am 26. März 2009 (» zitieren)
  7. So der Deutsch-LK ist erfolgreich abgeschlossen und meiner Meinung nach waren bis auf eines alle Lektüren richtig gut. Dieses eine Buch war für mich leider Kassandra. Selten hatte ich solche Probleme ein Buch zu lesen, weswegen ich zum Hörbuch übergegangen bin. Es war das einzige Buch, das ich nicht für das Abitur wiederholt habe und das einzige Buch, von dem ich den Eindruck hatte, dass die Lehrerin es genauso verabscheut wie der Rest des LKs.

    Leider muss ich sagen, dass ich den Erzählstil nicht ansprechend fand. Anspruchsvoll auf jeden Fall, aber das macht mir in der Regel keine Probleme. Es hat einfach keinen Spaß gemacht sich in Kassandra hineinzuversetzen. Glücklicherweise, haben wir Kassandra schnell hinter uns gebracht und ich glaube nicht, dass ich mich noch ein mal damit beschäftigen werde.

    Chrizzy0789 am 11. Juli 2009 (» zitieren)
  8. Ich habe das Buch jetzt endlich durch.
    Für die erstern 50 Seiten habe ich schätzungsweise 2 Wochen gebraucht (trotz Lektürenhilfen). Zu aller Freude durfte ich dieses Buch auch noch in den Ferien lesen, was die Sache noch schlimmer machte.
    Alle Bücher die ich bisher im Deutsch-LK lesen musste, empfand ich als einigermaßen spannend.
    Kassandra hingegen war für mich ein Albtraum. Ohne Lektürenhilfe hätte ich wahrscheinlich nichts verstanden.
    Ich werde mir, zur eigenen Sicherheit nochmal das Hörbuch anhören.
    Also ich kann nur sagen: Finger weg von Kassandra!
    Das absolut langweiligste und schlimmste Buch.

    Julia am 7. August 2009 (» zitieren)

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