Rezension

Haruki Murakami – Gefährliche Geliebte

Haruki Murakami - Gefährliche Geliebte

Mit 37 Jahren ist der Ich-Erzähler Hajime stolzer Besitzer zweier Jazz-Clubs in Tokio, ist verheiratet, hat zwei Töchter und keinerlei Sorgen. Eigentlich könnte er ein glückliches Leben führen, wäre da nicht fest in ihm verankert die Anziehung der hübschen Shimamoto. Die erste Frau, die er liebte und zuletzt mit 12 Jahren gesehen hat.

Eines regnerischen Abends taucht Shimamoto in einem seiner Jazzclubs auf – und verzaubert Hajime erneut mit ihrem Lächeln, ihrer geheimnisvollen Person. Was sie in den vergangenen Jahren durchlebt hat, bleibt verschwommen, genauso wie ihr Erscheinen: Wenige Minuten nachdem sie gegangen ist, fragt sich Hajime schon, ob sie überhaupt da war, überzeugt sich jedoch aufgrund der übrig gebliebenen Zigarettenstummeln.

Ungewissheit und Einsamkeit

Für Shimamoto ist Hajime bereit, alles aufzugeben, sein bisheriges, erfolgreiches Leben hinzuschmeißen und mit Shimamoto fast vergessene Tage wieder aufleben zu lassen. Wäre da nicht das Geheimnis um ihre Person – mal taucht sie auf, dann verschwindet sie wieder für unbestimmte Zeit. In dieser Zeit leidet Hajime unter Ungewissheit und Einsamkeit – merkt, dass er ohne Shimamoto nicht mehr leben kann.

»Und doch, obwohl ich die Augen schloß, riß mich die Musik nicht mit. Zwischen mir und dem Pianisten blieb ein dünner Vorhang, und wie sehr ich mich auch bemühte, ich schaffte es nicht, auf die andere Seite zu gelangen.« So beschreibt Hajime im Roman »Gefährliche Geliebte« ein Konzert. Und genau das dachte ich phasenweise auch über den Roman. Die Geschichte an sich ist zwar simpel aufgebaut, eine Spannung wird aber erzeugt – und auch die mysteriöse, schwammige Figur der Shimamoto wird gut präsentiert und dargestellt.

Fehlendes Etwas

Ein großer Makel ist sicherlich, dass der Roman nicht aus dem Japanischen übersetzt wurde, sondern die englische Übersetzung als Vorlage diente. Auf diesem Wege sind vermutlich einige interessante Aspekte verloren gegangen – auch wenn der Roman eher durch Inhalt als durch Sprachgewalt überzeugen kann. Jedenfalls fehlt das gewisse Etwas, das »Naokos Lächeln« zu etwas Besonderem machte.

Der Roman nimmt im Endspurt dann doch eine Wendung, die ihn nicht schnell vergessen lässt. Auch die Reise-Szene mit Shimamoto lässt einige Motive aufblitzen, die später noch verstärkt werden. Insgesamt ein guter Roman, aber sicherlich nicht der beste von Haruki Murakami.

Bewertung: 4 Sterne

Datum: 14. Juli 2009

5 Leserbriefe zu “Haruki Murakami – Gefährliche Geliebte”

  1. Murakami ist einfach genial!

    Andre am 18. Juli 2009 (» zitieren)
  2. Er ist in der Tat genial. Und war er nicht auch mal Besitzer eines Jazz Clubs?

    Mart am 27. Juli 2009 (» zitieren)
  3. Murakami ist ein verrückter Vogel. Und er schreibt sehr klar, sehr unaufgeregt … das mag ich an ihm. Die gefährliche Geliebte blieb mir aber ein bisschen zu rätselhaft … ich hätte mir da mehr Aufklärung und mehr Einblicke gewünscht.
    Siehe auch: http://buecherwurmloch.wordpress.com/2009⁄08/25/haruki-murakami-gefahrliche-geliebte/

    Mariki am 2. September 2009 (» zitieren)
  4. Dieser Roman ist ein echter Schatz. Es war ein richtiges Vergnügen für mich das Buch zu lesen. Ich kann es nur weiter empfehlen. Grüße

    nadine am 10. September 2009 (» zitieren)
  5. Habe gerade Teil 1 und 2 von IQ84 von Murakami gelesen war total begeistert. Muss jetzt leider bis April nächsten Jahres warten bis Teil 3 und 4 als günstiges Taschenbuch oder eBook erscheinen.

    Reader am 20. November 2012 (» zitieren)

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