Rezension

Haruki Murakami – Sputnik Sweetheart

Haruki Murakami - Sputnik Sweetheart

Fast könnte man glauben, Sumire wäre einfach gefühllos und weltfremd. Sie raucht viel, isst wenig, verliert auch bei kürzesten Bahnfahrten die Fahrtkarte und sie würde gerne Schriftstellerin werden. Und geliebt hat sie bisher noch nie. Das macht vor allem den Erzähler ihrer Geschichte wehmütig, den Grundschullehrer Ende 20, der eine Leidenschaft für seine ehemalige Kommilitonin entwickelt hat.

Mit niemandem versteht K. sich so gut, wie mit der zwei Jahre jüngeren Sumire – doch zeigt sich schnell, dass aus den beiden nichts werden kann, denn Sumire interessiert sich nicht für Liebe. Besser gesagt: Sie versteht sie nicht. Genau so wenig wie sie sich für Karriere, vielleicht könnte man sagen überhaupt das Leben, interessiert.

Reflexartig verliebt

Das ändert sich schlagartig, als sie auf einer Hochzeit der 17 Jahre älteren Miu begegnet. Eine verheiratete Geschäftsfrau, die europäische Weine importiert. »In dem Augenblick, als Miu ihr Haar berührte, verliebte sich Sumire – man könnte fast sagen: reflexartig – in sie.« Ausgerechnet in eine Frau, doch das erklärt für Sumire vieles.

Als Miu ihr dann auch noch ein Jobangebot macht, kann Sumire nicht nein sagen. Trotz geringer Qualifikation assistiert sie Miu und begleitet sie schon bald auf eine Europa-Reise, die letztendlich nach Griechenland führt. Von dort wird der Erzähler von Miu angerufen und gebeten auf die kleine Insel zu kommen, wo die beiden untergekommen waren. Denn Sumire ist verschwunden.

Vielleicht Murakamis philosophischster Roman

K. macht sich auf die Reise und erforscht nach und nach Mius und Sumires Leben, die beide Überraschungen und Parallelen aufweisen. Doch nicht nur Miu und Sumire lernt er zu verstehen, sondern auch sich selbst. Vielleicht ist es Haruki Murakamis philosophischster Roman.

Murakami wählt die Worte, mit denen er die Geschichte erzählt, mit Bedacht und schreibt einen sensiblen, verzwickten Roman – nicht ohne gewohnter Melancholie und einem Schuss Unbegreiflichen. Jedoch hebt sich »Sputnik Sweetheart« noch ein wenig von seinen anderen Romanen ab, ist souveräner und geheimnisvoller.

Bewertung: 4 Sterne

Datum: 6. August 2009

Ein Leserbrief zu “Haruki Murakami – Sputnik Sweetheart”

  1. wunderbare sprache und überraschender plot : die romantisch-tragische ménage à trois hat mich gefesselt und lässt mich immer wieder positiv an dieses buch zurückdenken.

    Igor von der Nordwand am 15. August 2009 (» zitieren)

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