Rezension

Haruki Murakami – Wilde Schafsjagd

Haruki Murakami - Wilde Schafsjagd

Was mich immer wieder bei Haruki Murakami fasziniert, ist nicht nur, dass die Themen so vielfältig sind, sondern vor allem so ausgefallen – wenn nicht verrückt. Denn wer kommt schon auf die Idee, einen Roman über Schafe mit mystischen Kräften zu schreiben? Und das auch noch mehr oder weniger glaubwürdig in eine Geschichte zu verpacken?

Mit einem Brief und einem harmlosen Foto einer Schafweide an den namenlosen Ich-Erzähler fängt alles an. Dieser leitet nämlich mit einem Freund eine Werbeagentur in Tokyo und verwendet das Foto in einer Anzeige. Wenig später taucht ein geheimnisvoller Mann in der Agentur auf – im Auftrag seines noch geheimnisvolleren, unglaublich einflussreichen Chefs.

»Zahme« Schafsjagd

Auf seine Anweisung soll die Werbeanzeige abgesetzt werden – und der Ich-Erzähler bekommt den Auftrag, das Schaf zu suchen. Das soll nämlich mystische Kräfte haben, und sei die einzige Hoffnung für den todkranken Boss. Unter den Drohungen des Mannes macht sich der knapp 30-Jährige Protagonist auf die Suche nach dem Schaf – zusammen mit seiner neuen Freundin, die die bezauberndsten Ohren der Welt hat.

Was sich zusammengefasst total wirr und verrückt anhört, ist es im Roman auch – nur schafft es der japanische Autor, die Geschichte ziemlich glaubwürdig zu transportieren. Nicht im sachlichen Sinne, sondern im Sinne des Romans. Die verrückten Elemente fügen sich nahtlos in die Geschichte ein, scheinen dem Leser nach wenigen Seiten fast schon plausibel zu sein.

Der Roman wird auf der einen Seite mit einigen fast schon philosophischen Dialogen bereichert, auf der anderen Seite mit der typischen bildhaften und plastischen Sprache Haruki Murakamis. Im Gesamtbild ein stimmiger Roman, der vielleicht etwas zu schnell sein Ende findet. Von einer »wilden« Schafsjagd kann hingegen nicht wirklich die Rede sein, gestaltet sich die Suche doch eher zahm.

Datum: 29. September 2009

3 Leserbriefe zu “Haruki Murakami – Wilde Schafsjagd”

  1. Wow, die Haruki Murakami-Phase scheint ja noch nicht zu Ende zu sein. Wie viele Bücher von ihm liegen denn noch bei Dir herum?

    Myriel am 29. September 2009 (» zitieren)
  2. @Myriel: Drei, vier liegen noch rum – dann bin ich mit den bisher in deutscher Sprache erschienenen Büchern durch. Gefällt mir ein Roman eines Autors ziemlich gut, schaue ich, ob er noch weitere Bücher geschrieben hat. Im Falle Haruki Murakamis gab es da ja einiges an Material. Und ich bin es nicht leid geworden, mich von einem Roman zum nächsten zu hangeln. Von daher: Ziemlich Murakami-lastig hier zur Zeit. Wird sich aber auch wieder ändern.

    Marcel am 29. September 2009 (» zitieren)
  3. Na solange Du es noch nicht leid geworden bist, ist ja alles in Ordnung. Bei mir besteht die Gefahr, dass wenn ich zu viel des selben Autors hintereinander lese, ich dann eine »Überdosis« bekomme und danach erstmal eine seeehr lange Pause brauche.

    Myriel am 1. Oktober 2009 (» zitieren)

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