Rezension

Matt Ruff – Bad Monkeys

Matt Ruff - Bad Monkeys

Ein Zimmer in der Strafvollzugsanstalt Clark Country, Las Vegas. »Weiße Wände. Weiße Decke. Weißer Fußboden.« Gegenüber von Dr. Vale sitzt die Inhaftierte Jane Charlotte, bereit ein Geständnis abzulegen. »Ich bin im Gefängnis, weil ich jemanden getötet habe, den ich nicht hätte töten sollen.« Dabei hat Jane Charlotte nach eigenen Angaben die Lizenz zum Töten, schließlich arbeitet sie für eine Geheimorganisation zur Verbrechensbekämpfung namens »Bad Monkeys«.

Mit »Bad Monkeys« fängt die turbulente Geschichte an. Wie Jane Charlottes Kindheit verlaufen ist, wie sie mit der Organisation in Kontakt gekommen ist und an welchen Operationen sie teilgenommen hat. Nach jeder Sitzung wird der interviewende Psychiater ratloser. Denn die Überprüfung Jane Charlottes Geschichte stimmt mal mit Fakten überein, dann passt ihre Version wiederum gar nicht ins Bild.

Und immer wieder Wendungen und andere Versionen

Eine Organisation, die nicht das Verbrechen, sondern das Böse bekämpft. NT-Waffen, die Herz‑ oder Schlaganfälle verursachen können. Drogendealer, Pädophile, krankhaft Böse. Jane Charlottes Erzählung hört sich so unglaublich wie unglaubwürdig an. Immer weiter driftet sie ins Unrealistische ab. Und immer wieder Wendungen und andere Versionen, wenn Jane ihre Erzählung korrigiert und den Fakten anpasst.

Den größten Teil des Romans nimmt Janes Schilderung der Ereignisse ein. Der Psychiater stellt nur an wenigen Stellen Zwischenfragen und leitet das Gespräch in die von ihm gewünschte Richtung. Zu Beginn jeder Sitzung spricht er die Widersprüche der vorherigen an, bevor Jane wieder loslegt, von ihrer Vergangenheit zu berichten.

250 Seiten auf der Nase rumtanzen

Recht harmlos beginnt Janes Bericht, angefangen bei ihrer Kindheit. Von Gespräch zu Gespräch scheint die Geschichte abstruser zu werden, bis der Bezug zur Realität völlig wegfällt. Die Geschichte schaukelt sich selber hoch. Und reißt den Leser dabei gnadenlos mit. Was denn nun stimmt, und was völliger Nonsens ist – die Frage drängt sich dem Leser geradezu auf, drängt ihn, Seite um Seite zu verschlingen. Bis sicherlich jeder noch so pfiffige Leser auf den letzten Seiten des Romans zu dem Schluss kommen muss: Matt Ruff hat es geschafft, mir auf der Nase rumzutanzen. Und das auf mehr als 250 Seiten.

Verblüffend ist die Auflösung seiner Geschichte, zugleich passt sie nahtlos in den Kontext. Und wer im letzten Viertel des Romans die Augenbrauen hochzieht, sollte nicht den Fehler machen, und das Buch weglegen, denn das Beste kommt zum Schluss mit einem lauten Knall. Wenn vielleicht auch etwas zu kurz und zu laut, sodass man aufmerksam lesen muss, um dem Autor noch Folge leisten zu können. Insgesamt bleibt der Roman trotzdem nur zu empfehlen.

Bewertung: 4 Sterne

Datum: 9. November 2009

4 Leserbriefe zu “Matt Ruff – Bad Monkeys”

  1. Stimme der durchweg positiven Rezension zu.
    Mir fehlt zwar das letzte viertel noch, aber bis hier her war es ein sehr spannendes und amüsantes spannendes Buch.
    Auch die Sprache die Ⅿ. Ruff verwendet bzw. seine Art zu schreiben haben mich von der ersten Seite an überzeugt.
    Das Cover der englischen Ausgabe (welche ich lese) von Bloomsburry Paperbacks lässt zwar eher auf ein Kinderbuch schliessen, aber was sich Ronald Kurniawan und Sarah Morris da für das Deisgn haben einfallen lassen passt erschreckend gut zum Inhalt.
    Okay, man beurteilt ein Buch ja nicht nach seinem Cover.

    Aber zusammenfassend lässt sich sagen: klasse Buch, ist wirklich lesenswert.
    Das letzte Buch, das mich so gefesselt hat war »the curious incident of the dogin the night-time« von Mark Haddon.

    DaDeceptiveOne am 17. November 2009 (» zitieren)
  2. Das habe ich mir heute gegönnt. :)
    Deine Rezension liest sich schon mal gut und als Matt Ruff Fan bin ich schon ganz gespannt drauf!

    Ada Mitsou am 12. Dezember 2009 (» zitieren)
  3. Ganz wunderbar ist auch »Ich und die anderen« – eine rasante und originelle Geschichte! Wo Matt Ruff draufsteht, ist definitiv Lesevergnügen drin.

    Mariki am 30. Dezember 2009 (» zitieren)

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