Rezension

Lewis Carroll – Durch den Spiegel und was Alice dort fand

Lewis Carroll - Durch den Spiegel und was Alice dort fand

Weniger bekannt als »Alices Abenteuer im Wunderland«, ist der zweite Roman von Charles Lutwidge Dodgson alias Lewis Carroll. Doch auch dieser weiß durch Wortwitz und einer anderen, wunderbaren Fantasiewelt zu bezaubern. »Durch den Spiegel und was Alice dort fand« (»Through the Looking Glass«) heißt die Fortsetzung des bekannten Kinderbuchs.

Wie der Titel schon vermuten lässt, nimmt Alice diesmal nicht den Weg durch einen Kaninchenbau – vielmehr gelangt sie durch einen Spiegel in eine andere Welt. Ähnlich paradox und phatasievoll wie das Wunderland stellt sich auch die Spiegelwelt dar. Sprechende Blumen, Spiegelweltinsekten, Humpti Dumpti, Dideldum und Dideldei, Löwe und Einhorn, und immer wieder sich wandelnde Szenen zeichnen Alices zweiten Traum aus.

Motiv: Schachpartie

Während sich der erste Alice-Roman ein Kartenspiel als durchgängiges Motiv zunutze macht, basiert Carrolls zweites Werk auf einer Schachpartie. Zu Beginn des Buches werden dem Leser die einzelnen Züge nahegebracht, die sich in der Handlung widerspiegeln. Alice beginnt die Partie als Bauer und wird letztendlich zur Königin, indem sie das letzte Feld erreicht.

Auch beim zweiten Roman rate ich zur Reclam-Version und neuen Übersetzung von Günther Flemming, der im Anhang Übersetzung, Wortspiele und Hintergründe erläutert. So kann auch der deutsche Leser die Alice-Romane in vollem Umfang genießen, schließlich verstand es Carroll, auf mehreren Ebenen zu schreiben und hatte eine besondere Affinität zu Wortspielen.

Ob nun der erste Alice-Roman oder der zweite »besser« ist, sei jedem Leser selbst überlassen. Unterschiede zeichnen sich heraus – so kommen beispielsweise weniger Wortspiele vor – jedoch bleibt es letztendlich Geschmackssache. Lesenswert sind meiner Meinung nach auf jeden Fall beide – Bücher auf hohem Niveau.

Datum: 29. August 2008

3 Leserbriefe zu “Lewis Carroll – Durch den Spiegel und was Alice dort fand”

  1. Ich stehe ja Reclam Büchern immer misstrauisch gegenüber *gg*
    Vermutlich liegt es an denen, die ich während meiner Schulzeit lesen musste-u.a. Schillers »Räuber«, das mir (im Gegensatz zu vielen meiner Mitschüler) überhaupt nicht zugesagt hat. Mit dem von Lewis Carroll bin ich das erste Mal rundum zufrieden und danke dir für die Rezension. Ich hoffe, dass diese viele Personen lesen, denn sonst verpassen sie ein unheimlich gutes Buch :-)

    val d'anniviers am 22. Februar 2009 (» zitieren)
  2. Ob der erste oder der zweite »Alice«-Roman besser ist, spielt insoweit keine Rolle, als beide in der Übersetzung Günther Flemmings gleich schlecht sind. Flemming hat sich viel Mühe gegeben, aber leider ohne nennenswerten Erfolg. Wenn man mangels ausreichender Englischkenntnisse auf eine Übersetzuing angewiesen ist, sollte man –es tut mir leid, daß ich hier für mich Reklame machen muß, aber mir geht’s sowohl um »Alice« als auch um die deutsche Sprache – auf meine Übersetzung zurückgreifen, die man auf meiner Website joergkarau-texte.de findet (s. auch die »Bemerkungen« dazu). Daß sie besser ist als alle anderen, läßt sich leicht durch einen Vergleich wenigstens der wichtigsten Stellen – Verse und Wortspiele – feststellen. Jedenfalls kann ich die Empfehlung, Flemmings Übersetzung zu lesen, keinesfalls unterstützen.

    Jörg Karau am 3. Juni 2009 (» zitieren)

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