Rezension

Shane Jones – Thaddeus und der Februar

Shane Jones - Thaddeus und der Februar

Kälte und Schnee, Trägheit und Traurigkeit – die grausame Herrschaft des Februars dauert schon mehrere hundert Tage an. Es können keine Papierdrachen mehr in die Luft gelassen werden und auch Ballons können nicht mehr geflogen werden. Die Stadtbewohner halten es nicht mehr aus und beginnen Krieg gegen den ungeliebten Monat. Allen voran Thaddeus Lowe, Ballonfahrer.

Doch schon bald hat Thaddeus viel am Februar verloren: Seine Tochter Bianca wird tot am Flussufer gefunden. Seine Frau Selah wurde ertränkt – mit Drachenschnüren gefesselt; und gefunden mit schneegefülltem Mund. Der Februar entführt Kinder, lässt die Stadt mit Moos überwuchern. Der Kampf scheint ausweglos zu sein. Die Kriegsanstrengung kleidet sich sommerlich, um den Winter zu überlisten und schüttet heißes Wasser auf die Straßen. Alles vergeblich.

Die Kälte des Februars lauert zwischen den Zeilen

Dann begegnet Thaddeus dem Februar. Es ist ein trauriger junger Mann. Er haust mit einem Mädchen, das nach Rauch und Honig riecht, in einer Hütte am Rande der Stadt. Aber damit ist der Kampf noch nicht beendet. Anstatt den Februar zu töten erliegt Thaddeus einer Illusion. »Thaddeus, das ist eine Falle. Der Februar wohnt nicht am Rande der Stadt. Schau nach oben!«

»Surreal und poetisch« wird »Thaddeus und der Februar« im Klappentext beschrieben. Das trifft es schon ziemlich genau, ist weder unter‑ noch übertrieben. Auf den ersten Seiten mag der Roman noch etwas befremdlich klingen. Bis man merkt, dass es die Kälte des Februars, die kühle Atmosphäre ist, die zwischen den Zeilen lauert. Shane Jones packt seine Geschichte in eine passende Form – von der der komplette Roman lebt.

Wortwahl und sprachliche Mittel erzeugen eine kalte, traurige Stimmung – unterstützt von optischen Spielereien wie verschiedenen Schriftgrößen und dosiertem Einsatz von Weißraum. Insgesamt schreibt Shane Jones einen mutigen Roman, aber keinesfalls einen langweiligen. Ein interessantes, kurzweiliges Leseerlebnis.

»Thaddeus und der Februar« erscheint – wie sollte es anders sein – Februar 2010 im Eichborn Verlag. 176 Seiten, 16,95 Euro.

Bewertung: 3 Sterne

Datum: 24. Januar 2010

2 Leserbriefe zu “Shane Jones – Thaddeus und der Februar”

  1. Ein paar intensive Bilder hat mir der Roman tatsächlich geboten, aber der tiefere Sinn hat sich mir leider nicht erschlossen. Irgendwie komme ich mir jetzt dumm vor. ;)

    Nina am 27. Januar 2010 (» zitieren)

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